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PFLEGEINTERVENTION CNE.fortbildung • 1 I 2016 9 cne.thieme.de Foto: Alexander Fischer – Dauerhafte Anlage zentraler Katheter – Grundlagen der Portversorgung Dieser Artikel beschreibt den Umgang mit Portkathetersystemen. Erfahren Sie mehr über den Aufbau eines Portkatheters, die Indikation zur Anlage, Legen einer Portnadel und möglicherweise auftretenden Komplikationen. Von: Sebastian Dörschug und Klaus Ruberg Aufbau des Portsystems Das Portkathetersystem besteht aus zwei Hauptkomponenten, zum einen der Injektionskammer sowie aus dem eigentlichen Katheter. Die Kammer besteht aus Titan, Kunststoff oder Keramik, welche eine Silikonmembran umschließt, und einer Bodenplatte aus Titan (→ Abb. 1). Die Kammer wird auf knöchernem Untergrund zumeist im oberen äußeren Quadranten des Brustkorbes fixiert. Die Silikonmembran kann – je nach Hersteller – mehrere hundert- bis über 1000-mal punktiert werden, wenn eine dafür zugelassene Nadel mit Spezialschliff verwendet wird. Der Katheter besteht aus strahlenundurchlässigem Silikon oder Polyurethan und wird unter subkutaner Tunnelung zu einer zentralen Vene geführt, z. B. V. subclavia oder V. jugularis. Die Implantation des Portkathetersystems erfolgt häufig unter Lokalanästhesie, der Eingriff dauert etwa 15–30 Minuten. Mit operationsbedingten Komplikationen ist in weniger als 2 % der Fälle zu rechnen (Teichgräber et al. 2011). Indikationen Die Malnutrition ist vor allem bei onkologischen Patienten eine häufige Begleiterscheinung der Erkrankung sowie der Therapie, oftmals ist sie aber auch Vorbote einer malignen Erkrankung selbst. So stellt sich je nach Entität bei 31–87 % der Patienten ein Gewichtsverlust vor der eigentlichen Diagnosestellung ein (Arends et al. 2003). Die Durchführung einer parenteralen Ernährung bei bestehender Indikation (z. B. Tumorkachexie bei unzureichender enteraler Nahrungszufuhr, gastrointestinale Obstruktionen, Nausea, Emesis [Arends et al. 2007]) muss bedingt durch die hohe Osmolarität der Nährlösung zentralvenös durchgeführt werden und ist damit eine der Hauptindikationen für die Anlage eines Portsystems, neben der Durchführung einer Zytostatikatherapie. Im palliativmedizinischen Bereich werden über das Portkathetersystem häufig pumpengesteuerte Schmerztherapien oder Arzneimittel zur Symptomkontrolle verabreicht, wenn eine enterale oder subkutane Gabe nicht oder nicht ausreichend möglich ist. Die Infusionstherapie über Port kann ärztlich an eine qualifizierte Pflegefachkraft delegiert werden. Nur so ist häufig eine ambulante Therapie überhaupt durchführbar. Die meist unkomplizierte Bedienung birgt in seiner schnell zur Routine werdenden Vorgehensweise jedoch Gefahren. Die Problematik der Portversorgung ergibt sich durch das Fehlen verbindlicher Standards. So gibt es z. B. von Seiten des Robert Koch Institutes keine Angaben bezüglich der Liegedauer von Portnadeln. Ebenfalls gibt es unterschiedliche Aussagen zu Verbandwechselintervallen. Hierbei wird auf die Vorgehensweise bei zentral liegenden Venenkathetern verwiesen (RKI 2002). Die folgenden Handlungsempfehlungen stützen sich somit teilweise auf empirisches Wissen. Material Um die Portkammer zu punktieren, werden spezielle Kanülen verwendet. Diese sogenannten Hubernadeln (z. B. Gripper ®-Nadel, Intrastick®, OMT-Gripstick®) haben einen besonderen Schliff, der eine Punktion ohne Herausstanzen eines Teils der Silikonmembran ermöglicht. Die Län- Abb. 1 Portsystem mit Kammer und Silikonmembran, Katheter und Schlauchsystem Foto: Werner Krüper


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