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cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION CNE.fortbildung • 1 I 2016 11 Die mit einer Kochsalz befüllten und einer Spritze verbundenen Spezialkanüle wird senkrecht, mit leichtem Druck, in das Zentrum der Portmembran eingebracht. Hierbei ist darauf zu achten, dass ein übersteigerter cne.thieme.de Druck ein Einknicken der Kanülenspitze durch Kontakt der im Anschluss an die Kammermembran liegende Metallplatte zur Folge haben kann. Dies würde bei Entfernen der Katheternadel zu Beschädigung des Ports und schmerzhafter Verletzung · der Haut führen. Anschließend wird das Kathetersystem mit 10 ml physiologischer Kochsalzlösung gespült (Uhrig 2015) (→ Abb. 4). Dabei muss auf eventuell entstehende Schwellungen geachtet werden, die ein Zeichen für die inkorrekte Lage der Kanüle oder eine Fehlfunktion des Ports sein können. · Für das Abkleben der Portnadel eignen sich transparente Wundverbände. Sie ermöglichen eine tägliche Hautinspektion, ohne dass der Verband entfernt werden muss. Bezüglich des Wechselintervalls gibt es auch in aktuellen Empfehlungen keine Vorgaben (Robert Koch Institut 2002). So kann ein wasserdampfdurchlässiger Wundverband bis zum nächsten Wechsel der Portnadel (nach sieben Tagen) verbleiben, solange er adäquat sitzt und sich kein feuchtes Milieu entwickelt hat. Bei stark transpirierenden Patienten können Gazeverbände sinnvoll sein. Hierunter empfiehlt sich ein Verbandswechselintervall von 48 bis 72 Stunden. · An das Schlauchsystem der Portkanüle wird ein Verschluss angebracht (z. B. Combi-Stopper®). Bei Verwenden eines speziellen Ventils, welches auf dem Schlauchsystem der Portnadel verbleiben kann (z. B. Posiflow®), ist es erforderlich, dass vor dem Anschließen der Infusion der Anschluss desinfiziert wird. Während des Infundierens sollte sowohl bei Applikation mehrerer, parallel laufender Infusionslösungen über Pumpe und Schwerkraft als auch bei singulärer Anwendung via Schwerkraft ein Rückschlagventil verwendet werden. Letzteres soll bei Abnehmen des Infusionsbeutels und dauerhafter Position unterhalb des Herzniveaus des Patienten verhindern, dass das Blut in das Infusionssystem zurückläuft und koaguliert. Entfernen der Portnadel Bei dauerhafter Nutzung des Ports, wie es beispielsweise bei parenteraler Ernährung erforderlich ist, bietet es sich an, zeitweise am Morgen nach nächtlich erfolgter Infusion (i. d. R. 12–16h) die Portnadel zu ziehen und erst zu Beginn der nächsten Gabe (abends) erneut zu legen. Dadurch kann sich die Haut besser regenerieren, und der Patient kann sich wenige Stunden ohne liegende Nadel bewegen. Dies kann auch an festgelegten Tagen der Woche durchgeführt werden, um z. B. ein Bad zu ermöglichen. In jedem Fall muss das Schlauchsystem der Portnadel vor dem Ziehen unter positivem Druck geschlossen werden. Dies erfolgt, indem der Verschluss des Schlauchsystems während des Spülens des Katheters geschlossen wird. Somit wird beim Ziehen der Nadel das Entstehen eines Unterdrucks und das daraus resultierende Zurückfließen von Blut in die Portkammer vermieden. Während des Entfernens muss der Port mit einer Hand fixiert werden, um unnötigen Zug auf die Portkammer zu vermeiden. Im Anschluss wird die Einstichstelle desinfiziert und mittels steriler Kompresse und Pflaster für ca. eine Stunde abgedeckt. In dieser Zeit können sich das Silikon der Membran und die Einstichstelle der Haut schließen. Eine Eintrittspforte für Keime ist somit minimiert, das weitere Tragen eines Verbandes bei nicht liegender Portnadel unnötig. Blocklösungen Standard ist das Blocken des Portkatheters mit physiologischer Kochsalzlösung. Ein Vorteil für Heparin-Lösung 100 i. E./ ml konnte auch in neueren Untersuchungen nicht belegt werden (Bertoglio et al. 2012, Goossens et al. 2013, DEGEM 2013). Bei infektionsgefährdeten Patienten (Kinderonkologie, immunsupprimierte Patienten) kann das Blocken mit antibiotikahaltigen Lösungen angedacht werden, nach aktuellen Studien ist das Risiko für katheterassoziierte Infektionen bei Verwendung von Taurolidin geringer als bei Nicht-Antibiotika-Lösungen (Simon et al. 2008, Dümichen et al. 2012, Handrup et al. 2012), allerdings sind noch weitere Untersuchungen notwendig, um die Evidenz im palliativmedizinischen Setting zu bestimmen. Die wöchentliche Spülung mit Ethanol bei parenteraler Ernährung scheint die Infektionsrate ebenfalls zu senken, muss aber ebenfalls näher untersucht werden (Pieroni et al. 2013). Komplikationen und Nachteile einer Portanlage Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es immer wieder zu Infektionen des Ports kommen. Durch die zentrale Lage kann sich ein nicht zügig behandelter lokaler Befall unter Umständen zu einer generalisierten Sepsis entwickeln. Die Gefahr einer katheterassoziierten Thrombose ist nicht auszuschließen. Auch ein Verschluss durch Unterlassen des notwendigen Spülens des Ports birgt wesentlich mehr Anschlussbehandlung in sich als das i. d. R. einfache Wechseln eines peripheren Zugangs. Neben den medizinischen Komplikationen ergeben sich für den Patienten auch mögliche Nachteile im alltäglichen Umgang. Je nach Lage kann ein Port zu einem ästhetischen Problem werden (Dekolleté), Schlafgewohnheiten können u. U. nicht beibehalten werden und die Bewegungsfreiheit und Belastbarkeit der betroffenen Extremität können eingeschränkt sein. Patienten- und Angehörigeninformation Grundsätzlich erhält der Patient bereits während seines stationären Aufenthaltes umfassende Informationen bezüglich seines Portsystems. Dennoch sollten Patienten und Angehörige wiederholt einige wichtige Hinweise mitgeteilt bekommen, die es ihnen ermöglichen, eine gegebenenfalls fehlerhafte Handhabung zu erkennen: · Erläuterung der hygienischen Verhaltensregeln


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