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PFLEGEINTERVENTION CNE.fortbildung • 1 I 2016 13 cne.thieme.de – Prävention und Unfallmanagement – Nadelstichverletzung Nadelstichverletzungen sind die häufi gsten Arbeitsunfälle im Klinikalltag. Das Infektionsrisiko ist zwar gering, die Folgen können jedoch bedeutend sein. Wichtig sind Prävention und Schulung der Mitarbeiter. Von: Sabine Wicker und Holger F. Rabenau Foto: Ralph Portenhauser/Thieme Verlagsgruppe Montagmorgen auf Station, es ist stressig und hektisch, sieben neue Aufnahmen. Sie wollten nur noch schnell bei dem Neuzugang mit der beidseitigen Pneumonie Blut abnehmen. Da ist es passiert: Der Patient hat sich bewegt, und Sie haben sich mit der blutigen Hohlraumkanüle gestochen. Was gilt es nun zu beachten? Defi nition Nadelstichverletzung Als Nadelstichverletzung bezeichnet man Stich-, Schnitt- oder Kratzverletzungen mit benutzten scharfen oder spitzen medizinischen Instrumenten (beispielsweise Kanülen, Lanzetten und Skalpellen). Diese können durch Blut oder andere Körperflüssigkeiten des Patienten verunreinigt sein. Auch Blutkontakte mit nicht intakter Haut und Schleimhautkontakte (Auge, Mund und Nase) stellen einen Risikokontakt im Sinne einer Nadelstichverletzung dar. Infektions- und Transmissionsrisiko Jede Nadelstichverletzung birgt unterschiedliche Risiken. Das Infektionsrisiko wird von umgebungs-, patienten- und mitarbeiterbedingten Faktoren beeinflusst. Das Transmissionsrisiko beschreibt die Übertragungswahrscheinlichkeit von Infektionskrankheiten. Info: Sofortmaßnahmen Eine Nadelstichverletzung ist eine Notfallsituation. Deswegen sollten Routinetätigkeiten sofort unterbrochen werden. Sofortmaßnahmen sollen die Menge an infektiösem Material verringern und die Kontaktzeit zu etwaigen ·Er regern verkürzen. Der spontane verletzungsbedingte Blutfluss nach einer Stich- oder Schnittverletzung sollte nicht unterbunden werden, weil dadurch potenziell infektiöses Material ausgespült wird. Im Verletzungsbereich sollten keine Manipulationen (insbesondere kein Quetschen oder Ausdrücken direkt im Einstichbereich) stattfinden, um eine Erregerverschleppung in tiefere Gewebeschichten zu vermeiden. · Erforderlich ist hingegen konsequentes Waschen mit Wasser und Seife bzw. Spülen mit einem Antiseptikum (Händedesinfektionsmittel oder Hautantiseptikum). Sollte es zu einer Kontamination von Auge oder Mundhöhle gekommen sein, sollte eine ausgiebige Spülung mit Wasser stattfinden. Bei Exposition von geschädigter oder entzündlich veränderter Haut erfolgt gründliches Waschen mit Wasser und Seife. Danach wird das kontaminierte Hautareal mit einem in Hautantiseptikum satt getränkten Tupfer vorsichtig abgerieben. Infektionsrisiko nach Nadelstichverletzung Das Infektionsrisiko nach einer Nadelstichverletzung ist abhängig von: · dem Infektionsstatus des Indexpatienten (Patient, mit dem der Kontakt bestand) · dem Immunstatus des Mitarbeiters (z. B. Schutz durch Hepatitis-B-Impfung) · der Verletzungstiefe · der Kontaktdauer · dem Zeitintervall zwischen Verletzung und Reinigung · etwaigen prophylaktischen Maßnahmen (z. B. Tragen von Handschuhen) Welche Erreger können ü bertragen werden? Wenngleich die Wunden meist sehr klein sind und die übertragene Blutmenge gering ist (ca. 1 μl), sind Nadelstichverletzungen aufgrund des Kontakts mit Patientenblut potenziell gefährlich. Prinzipiell kön


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