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cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION 14 CNE.fortbildung • 1 I 2016 cne.thieme.de nen alle Erreger, die im Infektionsverlauf im Blut vorhanden sind, auf diesem Weg übertragen werden. Neben dem Hepatitis-B-Virus (HBV), dem Hepatitis-C-Virus (HCV) und dem Humanen-Immundefizienz-Virus (HIV) gibt es noch eine ganze Reihe anderer Infektionserreger, die durch (berufsbedingte) Blutkontakte übertragen werden können. Nachfolgend werden einige Beispiele genannt, bei denen Fallberichte in der Vergangenheit publiziert wurden. ·V iren: Herpes-simplex- und Herpes zoster - Infektion · Cytomegalie · Virale hämorrhagische Fieber (VHF), z. B. Ebola, Dengue · Ringelröteln durch Parvovirus B19 · Hepatitis D, E, G · Chikungunya-Fieber Bakterien: · Syphilis · Diphtherie · Leptospirose · Typhus · Gonorrhö · Brucellose · Infektionen durch Mykoplasmen · Infektionen durch Mykobakterien · Staphylococcus-aureus-Infektionen · Streptococcus-pyogenes-Infektionen Protozoen: · Toxoplasmose · Malaria · Infektionen durch Trypanosomen · Leishmaniose Pilze: · Blastozytose · Sporotrichiose · Kryptokokkose Das Regeluntersuchungsprogramm der Berufsgenossenschaften sieht vor, primär auf die am häufigsten durch Nadelstichverletzungen übertragbare Infektion zu untersuchen. Hierbei handelt es sich um Hepatitis B und C sowie um HIV. Hinsichtlich der anderen Erreger wird ggfs. nur bei konkretem Infektionsnachweis beim Indexpatienten untersucht. Das Transmissionsrisiko – Wie wahrscheinlich ist eine Infektion? Das statistische Risiko für einen nicht geimpften Mitarbeiter, sich bei einem HBV-infizierten Indexpatienten nach einer Nadelstichverletzung zu infizieren, liegt bei 30 %. Nach einer Nadelstichverletzung bei einem HCV-infektiösen Indexpatienten beträgt das statistische Risiko der Infektionsübertragung circa 1 %. Das Transmissionsrisiko für HIV liegt bei perkutanem Kontakt bei circa 0,3 % und bei Kontakt mit Schleimhäuten bei circa 0,09 % (Henderson 2012, Makary et al. 2007). Ein erfahrener Arzt sollte Art und Umfang der Exposition einschätzen. Ein hohes Risiko weisen beispielsweise Verletzungen mit Hohlraumkanülen auf, die zuvor beim Indexpatienten intravasal platziert waren. Nichtsdestotrotz sind Fälle bekannt, bei denen auch Nadelstichverletzungen mit beispielsweise Nähnadeln, die keine sichtbare Blutung verursacht hatten, zu blutübertragbaren Infektionen geführt haben. Aus diesem Grunde sollte jede Nadelstichverletzung ernst genommen und entsprechend nachuntersucht werden. Unfallmanagement nach einer Nadelstichverletzung Ein beruflicher Blutkontakt im Sinne einer Nadelstichverletzung muss als Arbeitsunfall dokumentiert und nachbeobachtet werden. Eine Anzeige für den Unfallversicherungsträger ist immer dann notwendig, wenn der Unfall mehr als drei Tage Arbeitsunfähigkeit verursacht. Im Anschluss an die Sofortmaßnahmen sollte unbedingt mit dem Betriebsarzt oder dem D-Arzt (Durchgangsarzt) das weitere Procedere besprochen werden: Wann sollen serologische Kontrollen stattfinden? Ist eine HIV-Postexpositionsprophylaxe (HIV-PEP) indiziert? Ist der Hepatitis-B- Impfschutz ausreichend? Das Vorgehen bei den serologischen Kontrollen umfasst folgende virologische Diagnostik: Beim Mitarbeiter: · Anti-HCV · Anti-HIV-1/2 · bei stattgehabter Grundimmunisierung: Anti-HBs (wurde Anti-HBs in den letzten 10 Jahren bestimmt und war ≥100 IE/l, sind keine Maßnahmen erforderlich) · bei fehlender Impfung: Anti-HBc · bei unklarem Impfstatus: Anti-HBc und Anti-HBs Beim Indexpatienten: · Anti-HCV, falls positiv, erfolgt HCV-PCR · Anti-HIV-1/2, falls positiv, erfolgt HIVPCR · HBsAg: nur wenn Hepatitis-B-Immunität beim Verletzten nicht gesichert ist Ob beim Indexpatienten eine Blutuntersuchung auf Hepatitis B/C und HIV auch ohne dessen Zustimmung durchgeführt werden darf, wird kontrovers diskutiert. Die Testung des Indexpatienten ist jedoch wichtig, um den betroffenen medizinischen Beschäftigten optimal beraten und behandeln zu können (Wicker et al. 2008). Im Falle einer Exposition mit Hepatitis B Alle Mitarbeiter des Gesundheitswesens mit direktem Patientenkontakt bzw. mit Kontakt zu Patientenmaterialien (z. B. in der Labormedizin oder Pathologie) sollten eine ausreichende HBV-Immunität besitzen. Der HBV-Immunstatus sollte dem Mitarbeiter bekannt sein. Nach einer NSV wird nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) folgendes Vorgehen empfohlen (STIKO 2015 → Tab. 1): Info Die Ständige Impfkommission (STIKO) entwickelt die in Deutschland als wissenschaftlicher Standard akzeptierten Impfempfehlungen: http://www.rki.de/DE/Content/ Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Impfempfehlungen_ node.html. Im Falle einer Exposition mit Hepatitis C Es steht weder eine Impfung gegen Hepatitis C noch eine medikamentöse Postexpositionsprophylaxe (PEP) zur Verfügung. Nach einer Nadelstichverletzung mit einem HCV-positiven Indexpatienten sollte beim exponierten Mitarbeiter eine Laborkontrolle zum Erregernachweis (HCV-PCR)


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