Page 17

cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION Foto: Prof. Dr. Holger Rabenau CNE.fortbildung • 1 I 2016 15 nach zwei bis vier Wochen durchgeführt werden. Ziel ist hierbei die frühzeitige Erkennung von Infektionsübertragungen. Durch die neuen HCV-Therapeutika bestehen mittlerweile exzellente Heilungschancen bei kürzeren Therapiezeiten. HIV-Postexpositionsprophylaxe Bei relevantem Infektionsrisiko sollte eine HIV-Postexpositionsprophylaxe (HIV-PEP) erfolgen. Generell gilt, dass diese so schnell wie möglich beginnen sollte (möglichst innerhalb von zwei Stunden nach Exposition). Um dies zu gewährleisten, ist es ggf. sinnvoll, eine entsprechende Erstdosis der Medikamente in den relevanten medizinischen cne.thieme.de Bereichen vorrätig zu halten (Wicker et al. 2014). Dies kann beispielsweise in Form einer Einzelverpackung der Medikamente geschehen (→ Abb. 1). Eine Zusammenarbeit mit einer Apotheke ist unabdingbar, da die Sets nicht kommerziell erhältlich sind: Bei Verwendung der Medikamente als PEP handelt es sich um einen Off-Label-Use. Wenngleich die PEP eine sehr hohe Effektivität hat, schützt sie nicht 100 %ig vor einer Infektionsübertragung. Die Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG) veröffentlichte 2013 eine Leitlinie zur Indikation und Durchführung der HIV-PEP. Hier wird die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Infektion (Serokonversion) unter Berücksichtigung der Viruslast beim Indexpatienten und der Art der Exposition im Verhältnis zum mittleren Infektionsrisiko von 0,3 % dargestellt (→ Tab. 2). Nachuntersuchungen Kontakte zu Blut oder infektiösem Material sind nicht generell meldepflichtig. Allerdings können Unfallversicherungsträger die Kosten für die Testung und die Maßnahmen der Postexpositionsprophylaxe übernehmen. Auf jeden Fall sollten Nachuntersuchungen im Anschluss an Nadelstichverletzungen erfolgen. Nachuntersuchungen finden i. d. R. nach sechs Wochen, drei Monaten und sechs Monaten statt. Bei Hepatitis-C-positiven Indexpatienten und unter der Gabe einer HIV-PEP sind kürzere Nachuntersuchungsintervalle erforderlich (Himmelreich et al. 2013). Rechtliche Vorschriften Eine im Juni 2010 veröffentlichte EU-Direktive 2010/32/EU enthält Regelungen zur Vermeidung von Verletzungen durch scharfe oder spitze Instrumente im Krankenhaus und Gesundheitssektor und legt Mindestanforderungen zur Prävention fest. Die neue Richtlinie der Europäischen Union (EU) erforderte in den Mitgliedsstaaten Änderungen an bestehenden Gesetzen und Verordnungen. In Deutschland wurde beispielsweise eine Überarbeitung der Biostoffverordnung und der Technischen Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA 250) erforderlich: Tab. 1 Hepatitis-B-Impfung in Abhängigkeit vom Anti-HBs. Bitte ebenso die aktuellen Empfehlungen der STIKO beachten. Aktueller Anti-HBs-Wert Erforderlich ist die Gabe von HB-Impfstoff HB-Immunglobulin ≥ 100 IE/l nein nein 10–99 IE/l ja nein < 10 IE/l oder und Anti-HBs war ≥ 100 IE/l ja nein innerhalb von zu einem früheren Zeitpunkt 48 h nicht zu bestimmen und Anti-HBs war nie ≤ 100IE/l ja ja Tab. 2 Risiko im Vergleich zur Durchschnittswahrscheinlichkeit von 0,3 % einer HIV-Infektion nach berufli h bedingter Exposition Art der Exposition Infektionsrisiko in Relation zum mittleren Risiko Tiefe Stich- oder Schnittverletzung 16 : 1 Indexperson hat hohe Viruslast 6 : 1 Sichtbare, frische Blutspuren auf dem verletzenden Instrument 5 : 1 Verletzende Kanüle oder Nadel war zuvor in einer Vene oder Arterie 5 : 1 platziert Schleimhautexposition 1 : 10 Exposition von entzündlich veränderten Hautpartien 1 : 10 Quelle: HIV-Leitlinie, DAIG 2013 Abb. 1 Starter Set zur HIV-Postexpositionsprophylaxe (PEP) des Universitätsklinikums Frankfurt. Die Sets enthalten jeweils eine Tablette Isentress sowie Truvada. Ferner sind darin enthalten ein Infobogen zu den Medikamenten und zur Anwendung der HIV-PEP-Sets und ein Ablaufplan zur Meldung von Nadelstichverletzungen.


cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline
To see the actual publication please follow the link above