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PFLEGEINTERVENTION 16 CNE.fortbildung • 1 I 2016 cne.thieme.de TRBA 250. – Der Abschnitt 4.2.5 der TRBA 250 widmet sich der Prävention von Nadelstichverletzungen und legt fest, dass der Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen muss, die eine Verletzungs- und Infektionsgefahr der Beschäftigten verringern. Ein mehrstufiger Ansatz zur Minimierung des Risikos von Nadelstichverletzungen unter Ausschöpfung aller technischen, organisatorischen und persönlichen Maßnahmen ist hierzu erforderlich. Dies schließt Fragen der Arbeitsorganisation und die Schaffung eines Sicherheitsbewusstseins sowie ein Meldeverfahren für die Erfassung von Nadelstichverletzungen und die Durchführung von Folgemaßnahmen mit ein. Die TRBA 250 legt fest, dass der Arbeitgeber fachlich geeignetes Personal in ausreichender Anzahl einzusetzen hat, um Nadelstichverletzungen, z. B. durch Fehlbedienung aufgrund von Hektik, zu vermeiden. Darüber hinaus legt die TRBA 250 fest, dass – soweit dies technisch möglich ist – sogenannte „sichere Instrumente“ zu verwenden sind, bei denen keine oder eine nur geringe Gefahr von Nadelstichverletzungen besteht (→ Abb. 2 und → Abb. 3). Sichere Instrumente gemäß TRBA 250 sind in folgenden Arbeitsbereichen mit erhöhter Infektionsgefährdung oder Un- ·fa llgefahr einzusetzen: Behandlung und Versorgung von Patienten, die nachgewiesenermaßen durch Erreger der Risikogruppe 3 (**), z. B. HBV, HCV, HIV) oder höher infiziert sind · Behandlung fremdgefährdender Patienten · im Rettungsdienst und in der Notfallaufnahme · in Krankenhäusern bzw. -stationen im Justizvollzug Ebenso sind „sichere Instrumente“ bei allen Tätigkeiten einzusetzen, bei denen durch mögliche Nadelstichverletzungen eine Infektionsgefahr besteht oder angenommen werden kann. Die TRBA 250 nennt hier insbesondere: · Blutentnahmen · sonstige Punktionen zur Entnahme von Körperflüssigkeiten · Legen von Gefäßzugängen „Sichere Instrumente“ zur Vermeidung von Nadelstichverletzungen müssen gemäß TRBA 250 folgende Eigenschaften erfüllen: · Sie dürfen weder Patienten noch Beschäftigte gefährden. · Sie müssen einfach und anwendungsorientiert zu benutzen sein. · Der Sicherheitsmechanismus ist Bestandteil des Systems und kompatibel mit anderem Zubehör. Die Aktivierung des Sicherheitsmechanismus muss: · selbstauslösend sein oder einhändig erfolgen können, · sofort nach Gebrauch möglich sein, · einen erneuten Gebrauch ausschließen, · durch ein deutliches Signal (fühlbar, sichtbar oder hörbar) gekennzeichnet sein (TRBA 250). Die Auswahl der „sicheren Instrumente“ sollte anwendungsbezogen in Absprache mit den Beschäftigten erfolgen. Bei der Einführung der „sicheren Instrumente“ ist zu gewährleisten, dass die Mitarbeiter in der Lage sind, diese richtig anzuwenden. Dazu ist es notwendig, die Handhabung der Instrumente in der praktischen Anwendung zu schulen. Gebrauchte spitze und scharfe medizinische Instrumente einschließlich derer mit Sicherheitsmechanismus sind unmittelbar nach Gebrauch durch den Anwender in einem durchstichsicheren und unzerbrechlichen Abwurfbehälter zu entsorgen. Es ist darauf zu achten, dass dieser nicht überfüllt und vor Erreichen der Füllgrenze entsorgt wird. Zusammenfassung Nadelstichverletzungen gehören zu den häufigsten im klinischen Alltag vorkommenden Arbeitsunfällen. Nach Schätzungen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz kommt es in Europa jedes Jahr zu schätzungsweise einer Million NSV. Statistisch gesehen ist das Risiko einer Infektionsübertragung zwar nicht groß; die Konsequenzen einer Infektionsübertragung können jedoch schwerwiegend sein. Deswegen ist es notwendig, jede Nadelstichverletzung ernst zu nehmen und entsprechend nachzuverfolgen. Alle Einrichtungen des Gesundheitswesens sollten aus diesem Grunde über ein suffizientes und leicht zugängliches Melde- und Behandlungsregime verfügen, das rund um die Uhr verfügbar ist. Maßnahmen der Prävention von Nadelstichverletzungen bestehen beispielsweise in der konsequenten Schulung der Mitarbeiter, geregelten Arbeitsabläufen und dem Einsatz sicherer Instrumente. █ Abb. 2 BD EclipseTM Sicherheitsinjektionskanüle Abb. 3 Venenverweilkanüle Vasofi x® Safety Fotos: 2 ©BD Heidelberg; 3 B Braun, Melsungen 3 2 Infoservice Autoren Prof. Dr. Dr. med. Sabine Wicker, Betriebsärztlicher Dienst, Universitätsklinikum Frankfurt, E-Mail: Sabine.Wicker@kgu.de Prof. Dr. rer. med. Holger F. Rabenau, Institut für Medizinische Virologie, Universitätsklinikum Frankfurt Literatur Die Literatur fi nden Sie auf CNE.online: cne.thieme.de


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