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cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION 4 CNE.fortbildung • 1 I 2016 cne.thieme.de · Als wichtigste Risikofaktoren gelten: Rauchen und · Lipidabweichungen. Gefolgt werden sie von: · psychosozialen Faktoren · abdomineller Adipositas · Diabetes mellitus · Hypertonie (Yusuf et al. 2004: 946– 947) Bei der Betrachtung der einzelnen Risikofaktoren zeigt sich eine Abhängigkeit von Alter und Geschlecht. Von daher ist es sinnvoll, auch gerade im Hinblick auf spätere Beratungsanlässe, genderspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen. Bei Frauen spielen zusätzlich Schwangerschaftskomplikationen wie z. B. Präeklampsie, Gestationsdiabetes oder ein schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck eine Rolle (Seeland et al. 2012: 496). Nikotinabusus Unter allen Risikofaktoren nimmt Rauchen eine Sonderstellung bei der Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen ein. Es ist der bedeutendste Faktor und bekommt nicht nur durch aktives Handeln, sondern auch durch das sogenannte Passivrauchen besonderes Gewicht. In Bezug auf den akuten Myokardinfarkt schreibt Gohlke: „Durch Nierauchen könnten bei Männern 60 %, bei Frauen sogar 75 % der Herzinfarkte verhindert werden“ (Gohlke et al. 2012: 250). Grundsätzlich besteht ein geschlechtsspezifischer Unterschied bezüglich des Risikos bei Nikotinabusus. So haben Frauen, die rauchen, ein 2,2-fach erhöhtes Herzinfarktrisiko; bei Männern steigt es um das 1,4-Fache (ebd.). Bei Frauen steigt zudem das Risiko weiter bei gleichzeitiger Einnahme oraler Kontrazeptiva. Depressionen Frauen leiden doppelt so häufig wie Männer unter schweren Depressionen. Bei beiden Geschlechtern beeinflussen Angstzustände den Krankheitsverlauf entscheidend. Aufgrund unterschiedlicher Symptome, wie z. B. Aggressivität bei Männern, wird bei diesen Depressionen häufig nicht als solche erkannt. Adipositas Ab einem Body Mass Index (BMI) >40 haben Frauen ein 4-fach höheres Risiko im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen für einen Herzinfarkt. Wirth und Gohlke haben in einer Untersuchung aus dem Jahr 2005 die Rolle des Körpergewichts im Zusammenhang mit dem akuten Myokardinfarkt untersucht. Über 60 % der Bevölkerung haben ein erhöhtes Körpergewicht in Bezug auf gesundheitliche Überlegungen. 20 % können als adipös gelten, was einer Vervierfachung zu einer Erhebung von vor 50 Jahren entspricht. Ursächlich hierfür wird die Abnahme körperlicher Aktivitäten und ein Überangebot sowie Konsum zucker- und fetthaltiger Lebensmittel gemacht (Wirth und Gohlke 2005: III/22). Adipositas stellt sowohl ein Risiko für das Auftreten eines Erstinfarkts als auch eine Erhöhung der Gefahr von Reinfarkten dar (vgl. Wirth und Gohlke 2005: III/26). Diabetes mellitus Weltweit steigt die Zahl an Diabetes mellitus Typ-II-Erkrankungen. Dabei zeigt sich, dass immer jüngere Menschen betroffen sind bzw. hier vor allem auch jene, die unter Adipositas leiden. Das Herzinfarktrisiko mit letalen Folgen vervierfacht sich für Frauen mit Diabetes mellitus. Bei Männern kommt es zu einer Verdopplung des Risikos. Arterielle Hypertonie In jüngeren Jahren (<35) sind mehr Männer als Frauen von Bluthochdruck betroffen. Jedoch steigt bei Frauen ab dem 50. Lebensjahr die Häufigkeit, an Hypertonie zu erkranken, schneller an als bei Männern. Sodass ab dem 75. Lebensjahr mehr Frauen als Männer betroffen sind. Blutdruckwerte über 120/80 mmHg lassen bei Frauen das Risiko, an einer koronaren Herzerkrankung zu erkranken, auf das Vierfache steigen. Gleichzeitig wird bei Frauen Hypertonie seltener diagnostiziert und medikamentös behandelt (Seeland et al. 2012: 496ff; Yusuf et al. 2004; Heidrich et al. 2003). █ Infoservice Autor Michael Gügel, Dipl.-Pflegepädagoge (FH), Pflegedirektion, Deutsches Herzzentrum München Literatur Andrea, S. Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Stuttgart: Thieme; 2006 Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (2012): ESC Pocket Guidelines. Therapie des akuten Herzinfarktes, zuletzt geprüft am 1.11.2015 Deutsche Herzstiftung e. V., Deutsche Herzstiftung (Hrsg.) (2014): Deutscher Herzbericht 2013 – 25. Bericht/Sektorenübergreifende Versorgungsanalyse zur Kardiologie und Herzchirurgie in Deutschland. Unter Mitarbeit von Meinertz T, Hamm C, Papoutsis K, Fleck E, Bestehorn K, Bestehorn M et al. 1. Auflage, neue Ausg. Frankfurt am Main: Deutsche Herzstiftung Gohlke H, Albus C, Bönner G, Darius H, Eckert S, Gohlke-Bärwolf C et al. Empfehlungen der Projektgruppe Prävention der DGK zur risikoadjustierten Prävention von Herz- und Kreislauferkrankungen. Der Kardiologe 2012; 6 (3): 249–262 Heidrich J, Wellmann J, Hense HW, Siebert E, Liese AD, Löwel H, Keil U. Klassische Risikofaktoren für Herzinfarkt und Gesamtsterblichkeit in der Bevölkerung. Zeitschrift für Kardiologie 2003; 92 (6): 445–454 Prondzinsky, Werdan K. Akute Koronarsyndrome. In: Christian Madler, Karl-Walter Jauch, Karl Werdan, Johannes Siegrist und Frank-Gerald Pajonk (Hg.): Das NAW-Buch. München: Elsevier; 2005: 441–478 Schofer N, Hamm C, Katus HA, Kelm M, Blankenberg S. Kommentar zur dritten allgemeinen Definition des Myokardinfarktes der gemeinschaftlichen ESC/ACCF/ AHA/WHF Task Force. In: Kardiologe 2014; 8 (1): 65–71 Seeland U, Eifert S, Regitz-Zagrosek V. Genderaspekte bei koronarer Herzerkrankung. In: Kardiologe 6 2012; (6): 495–505 Wirth A, Gohlke H. Rolle des Körpergewichts für die Prävention der koronaren Herzkrankheit. In: Zeitschrift für Kardiologie 2005; 94 (3): iii22–iii29 Yusuf S; Hawken S, Ôunpuu S, Dans T, Avezum A, Lanas F et al. Effect of potentially modifiable risk factors associated with myocardial infarction in 52 countries (the INTERHEART study): case-control study. The Lancet 2004; 364 (9438): 937–952


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