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cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION CNE.fortbildung • 1 I 2016 7 DiaJnose sicheUn – Die Diagnose wird anhand der klinischen Symptomatik und der nichtinvasiven hämodynamischen Messungen g · estellt. Grundlagen hierfür sind u. a.: Anamnese und klinische Untersuchung durch den Arzt · möglichst schnelles 12-Kanal-EKG: – Es sollte maximal 10 Minuten nach dem ersten medizinischen Kontakt (EMK) geschrieben und interpretiert werden. – Zusätzliche Ableitungen (V7, V8, V9) können zur Diagnosestellung hilfreich sein. – Bei Linksschenkelblock (LSB) ist die EKG-Diagnose schwierig, ST-Hebungen Erstkontakt mit Rettungsdienst/ Ankunft Interventionszentrum Ankunft Herzkatheterlabor cne.thieme.de können dennoch deutlich vorhanden sein. · zügige Blutentnahme zur Bestimmung von Serummarkern (aber Achtung: Bei eindeutiger Diagnose nicht auf die Laborwerte warten!) · Darüber hinaus kann eine Echokardiografie hilfreich sein (sie darf die Reperfusionstherapie aber nicht verzögern). 0eUNe Bei allen Maßnahmen steht die Verkürzung der Zeit bis zur Reperfusion im Vordergrund (vgl. Zeymer et al. 2013, Werdan et al. 2011)! 5Xhe YeUPitteln bnJste PiniPieUen – Obgleich ein sehr hoher zeitlicher Druck auf das Pflegepersonal herrscht, ist bei alldem nicht außer Acht zu lassen, dass der Faktor Angst bei den betroffenen Patienten eine vorherrschende Rolle spielt. Somit ist nicht nur pflegerische Expertise auf medizinisch-somatischer Ebene gefragt, sondern auch eine hohe empathische Pflegekompetenz. Das heißt, dem Patienten sollte keine Hektik oder Anspannung vermittelt werden, unnötiger Stress und somit eine Verstärkung der Ängste sollten unbedingt vermieden werden. Lebensbedrohliche Ängste können die Infarktsymptome verstärken. Herzinfarktpatienten werden zumeist mitten aus einer alltäglichen Situation gerissen. Sie sehen sich innerhalb kürzester Zeit aus einem normalen Alltag mit einer lebensbedrohlichen Situation konfrontiert. Symptome wie starke Schmerzen, Atemnot und Engegefühl auf der Brust lösen Todesängste aus. Daher ist es enorm wichtig, dass Ärzte und Pflegepersonal trotz des Zeitdrucks Ruhe bewahren und diese soweit möglich auf den Patienten übertragen. Zusätzlich kann der Stress des Patienten durch Gabe von Tranquilizern reduziert werden. Darüber hinaus gehört eine adäquate Aufklärung und Information über alle pflegerischen und medizinischen Maßnahmen zu einer erwiesenermaßen erfolgreichen Strategie, um Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln. Ausführliches Informieren darf dabei nicht nur auf den Patienten beschränkt werden, sondern hier müssen auch die Bezugspersonen miteinbezogen werden. Denn auch sie stehen in der Akutphase massive Ängste aus. Therapeutische Ziele Medizinisch sind vier Hauptziele für eine erfolgreiche Erstversorgung wesentlich (nach Werdan et al. 2011): 1. die frühestmögliche Wiedereröffnung des verschlossenen Koronargefäßes, 2. die Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung einer adäquaten Durchblutung und Sauerstoffversorgung der vitalen Organe, 3. die Vorbeugung bzw. Begrenzung eines möglichen Multiorganversagens sowie die supportive Unterstützung der Organdysfunktionen und 4. die frühzeitige Versorgung mechanischer Infarktkomplikationen. Dafür gilt es zunächst dem Patienten die Schmerzen zu nehmen bzw. sie zu lindern. Hierzu werden Opiate i. v. und ggf. Nitroglycerin sublingual verabreicht. Sauerstoff sollte nicht routinemäßig, sondern nur bei einer transkutanen Sauerstoffsättigung < 95 %, bei Luftnot oder einer bekannten Herzinsuffizienz verabreicht werden (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie 2012). Da bei einem STEMI in den ersten Stunden häufig Kammerflimmern auftritt, muss ein Defibrillator zugänglich sein und das betreuende Personal die kardiopulmonale Wiederbelebung beherrschen (ebd.). )ibUinol\se – Ist eine primäre perkutane Intervention (PCI) innerhalb von 120 Minuten nach dem ersten medizinischen Kontakt (EMK) nicht möglich, sollte bei einem akuten STEMI eine Fibrinolyse in weniger als 30 Minuten nach dem EMK erfolgen (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie 2012). 3&, – Therapie der Wahl ist jedoch die primäre (notfallmäßige) perkutane Intervention (PCI). Sie wird auch als PTCA (perkutane transluminale Koronarangioplastie) bezeichnet (→ Abb. ). Dabei wird im Rahmen einer Linksherzkatheteruntersuchung die Stenose am Herzkranzgefäß mithilfe einer Ballondilatation erweitert. Anschließend wird in der Regel ein Stent, d. h. ein kleines Metallgeflecht, eingesetzt, um das Risiko einer erneuten (Re-)Stenose an dieser Engstelle zu reduzieren. Die PCI oder PTCA sollte schnellstmöglich nach Symptombeginn durchgeführt werden. Zuvor muss der Patient aber medikamentös vorbereitet werden. Hier kommen Thrombozytenhemmer (ASS und ADP-Rezeptor-Antagonisten) und Antikoagulanzien (z. B. Heparin) zum Einsatz. Auch nach der primären PCI ist eine Erhaltungsdosis dieser Medikamente zur antithrombozytären Therapie erforderlich (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie 2012). Für die PCI wird in Deutschland vor allem der femorale Zugangsweg genutzt. Quelle: nach Maier et al. 2014 Beginn der Symptome Notarzt Punktion Beginn Balloninsufflation Door-to-Balloon-Zeit Prähospitalzeit Contact-to-Balloon-Zeit Abb. 1 Etappen der Herzinfarktversorgung. Die Door-to-Balloon-Zeit umfasst dabei die Zeit vom Eintreff en des Patienten in der Klinik bis zum Beginn der Ballondilatation. Sie sollte 90 Minuten nicht überschreiten.


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