Page 30

cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION 12 CNE.fortbildung • 1 I 2016 cne.thieme.de notfallmäßigen Behandlung verloren. Ihre Gedanken kreisen um die Angehörigen, wenn diese aufgrund des Zeitdrucks nicht mehr benachrichtigt werden konnten. Sind die Angehörigen jedoch bei den Patienten, so wird dies als Unterstützung empfunden. Doch auch Ängste in Bezug auf den Arbeitsplatz, vor bleibenden körperlichen Schäden und vor dem Tod entwickeln sich mehr und mehr. Die Betroffenen denken über die Zukunft nach und machen sich Sorgen um private und berufliche Dinge, um Angelegenheiten, die sie eigentlich noch erledigen wollten, die jedoch durch dieses Ereignis vorerst in weite Ferne gerückt sind. 3atienten bUaXchen ,nIoUPationen Erhalten die Patienten keine Informationen, versuchen sie durch das Mithören von Telefonaten und Gesprächen wichtige Informationen über ihren Krankheitszustand zu erfahren. Als positiv wurden kurze und einfache Erklärungen im Gegensatz zur nicht verständlichen Fachsprache empfunden. Neben den Fakten, die bei den Gesprächen vermittelt werden, beruhigen diese den Patienten und entspannen die Situation. Berührungen, wie das Halten der Hand, werden ebenso als beruhigend beschrieben. .ontaNt ]XP 3atienten aXIbaXen – Bestanden während der Notfallbehandlung nicht genügend Möglichkeiten, mit jemanden zu sprechen, so zeigt sich trotz der schnellen Hilfe, dass sich die Patienten alleine gefühlt haben. Der fehlende Kontakt zum Behandlungsteam wird zum einen durch das schnelle Handeln und die Konzentration auf die Behandlung an sich, aber auch durch die verschiedenen Geräte im Herzkatheterlabor hervorgerufen. Deswegen beobachten einige Patienten lediglich das Behandlungsgeschehen, gläubige Patienten suchen in dieser Situation oft Rückhalt durch Beten. Doch aufgrund der Medikamentenwirkung der Analgetika oder Benzodiazepine konnten sich nicht alle Patienten an einzelne Behandlungsabschnitte während der notfallmäßigen Versorgung erinnern. DefinitiY +eU]inIaUNt Die Diagnose Herzinfarkt löst unterschiedliche Reaktionen aus. Einige Patienten sind schockiert, andere überrascht oder verwundert. Sie können die Diagnose nicht wahrhaben. Im Gegensatz dazu zeigt sich, dass Patienten mit Krankheitserfahrungen im Rahmen einer koronaren Herzerkrankung in der Lage sind, die Situation und Diagnose anzunehmen. 3atienten YeUtUaXen deP 7eaP Die befragten Patienten erkennen den Ernst ihrer Lage durch das schnelle Handeln des Behandlungsteams. Trotzdem fühlen sie sich aufgehoben, da sie das Handeln als professionell, kompetent und eingespielt erleben. Durch die Präsenz des Teams wird das Gefühl der Lebensbedrohung aufgefangen, und die Patienten fühlen sich sicher, gelassen und zufrieden. 0ehUZeUt deU 3ÁeJe AnsSUechSaUtneU sein – Bei der Übernahme des Patienten vom Rettungsdienst in das Herzkatheterlabor sollte eine feste Bezugsperson als Ansprechpartner für den Patienten zur Verfügung stehen. Von großem Vorteil ist, wenn dies durch eine Pflegeperson der Intensivstation geschehen kann. Denn diese betreut den Patienten auch nach der Behandlung im Herzkatheterlabor auf der Intensivstation weiter. *esSUlchsbeUeit sein – Die wesentlichen pflegerischen Aufgaben sind in dieser Situation die rechtzeitige Schmerztherapie in Absprache mit dem Mediziner, das Eingehen auf die Ängste des Patienten und die Benachrichtigung und Information der Angehörigen. Wichtig ist auch die Anwesenheit einer Bezugsperson während der Untersuchung, damit der Patient sich trotz der Schnelligkeit in der Behandlung, der vielen technischen Geräte und der „beschäftigten“ Personen im Behandlungsteam nicht alleine fühlt. 5atJebeU sein – Im weiteren Verlauf sind auf der Intensivstation – neben den üblichen pflegerischen Aufgaben nach einer Herzkatheteruntersuchung und der notwendigen Überwachung – Gespräche seitens der Pflege und Medizin von großer Bedeutung. Dabei kann die erlebte Notfallsituation aufgegriffen und besprochen werden. Auch sind beratende und anleitende Gespräche wichtig, die sich auf die Diagnose des Herzinfarktes und einer koronaren Herzerkrankung beziehen und einen Ausblick auf das weitere Leben nach einem Herzinfarkt zulassen. █ Infoservice Autorinnen Nina Kolbe, Krankenschwester und Pflegewissenschaftlerin (MScN), Kursleitung Pflegee[perten für Menschen mit Herzinsuffizienz bei der Deutschen Gesellschaft für Gesundheits- und Pflegewissenschaft Dr. Stefanie Mentrup, Krankenschwester und Dipl.-Pflegepädagogin (FH), wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu Lübeck, Universitätsklinikum Literatur Die Literaturangaben finden Sie unter CNE.online: cne.thieme.de CNE Pflegee[perten für Herzinsuffizienz. Im aktuellen CNE.magazin erklärt Pflegewissenschaftlerin Nina Kolbe, wo diese speziell weitergebildeten Pflegekräfte arbeiten und wie diese die Patienten schulen und beraten.


cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline
To see the actual publication please follow the link above