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PFLEGEINTERVENTION 14 CNE.fortbildung • 1 I 2016 Foto: C. *|tz Thieme Verlagsgruppe cne.thieme.de Beratung im Feld von Pflege wird vielfach noch mit der Weitergabe von Informationen und/oder konkreter Anleitung vermischt. Dies trifft auch oftmals das Bedürfnis des Patienten nach Informationen und Antworten. Langfristig gesehen greift diese Sichtweise jedoch zu kurz, weil die Probleme meist vielschichtiger und komplexer sind, als dass sie durch knappe Information behoben werden könnten (vgl. Schaeffer 2006). Engel und Sickendick fordern daher eine Ausweitung des Begriffs Beratung sowie ein entsprechendes Selbstverständnis auf Seiten der Berater (vgl. Engel und Sickendieck 2005). Der Charme lösungsorientierter Beratungsansätze wird durch einen Ausspruch Steve de Shazers deutlich unterstrichen: » Problem talk creates problems. Solution talk creates solutions.” 0eUNe Hierbei geht es jedoch nicht darum, dass Pflegekräfte die L|sung für den Patienten finden, sondern die Herausforderung stellt die Begleitung und Unterstützung des Patienten bei der Suche nach eigenen Strategien und Lösungen dar. Die Grundhaltung lösungsorientierter Beratungsansätze widerspricht somit dem sonstigen Handeln von Pflegekräften und ist eine große Herausforderung. Pflege ist vielmals das Handeln für – die Übernahme bestimmter Tätigkeiten und Aufgaben (vgl. Deutscher Wissenschaftsrat 2012: 41). Damit Beratung in diesem Sinn funktionieren kann, bedarf es einer entsprechenden Haltung und Verständnis von Beratung. :as sollte deU %eUatende beUcNsichti- Jen" – Der Patient ist der Experte seines Lebens. Er weiß am besten, wie er sein Leben bis dato gemeistert hat. Außerdem trägt er ausreichend Ressourcen in sich, um sein Leben entsprechend zu gestalten. Die Aufgabe des Beratenden bezieht sich auf das Aufdecken und Aufzeigen entsprechender Fähigkeiten und Anlagen, die dem Betreffenden selbst vielleicht momentan verborgen sind. Lösungsansätze, die bisher nicht erfolgreich waren, werden auch Abb. 1 Koronarsportgruppe zum angepassten Bewegungstraining durch Verstärkung nicht wirksamer. Vielmehr sollte davon abgelassen und ein neuer Weg gesucht und eingeschlagen werden. Die Lösung besitzt jedoch der Patient, nicht der Berater. Von daher stellt die Wahrung der Autonomie des Patienten das höchste Gut dar und zeigt sich in respektvollem und wertschätzendem Umgang (vgl. Bamberger 2007, Shazer und Dolan 2008). 3UlYention Die meisten Risikofaktoren für die Entstehung eines Herzinfarkts lassen sich wirkungsvoll beeinflussen. Veränderungen des Lebensstils und der Ernährung, bei weltweit zunehmender Adipositas und Diabetes mellitus, haben sich in vielen Studien als wirkungsvoll erwiesen und machen die Relevanz eines präventiven Ansatzes deutlich (vgl. Heidrich et al. 2003: 452). Völler konnte in einer Studie nachweisen, dass sich Patienten durchschnittlich zwei ihrer bestehenden Risikofaktoren nicht bewusst waren (vgl. Völler 2004: 11). Daraus lässt sich ableiten, dass gerade auch Pflegende aufgefordert sind, in der Anamnese auf das Bewusst- und Vorhandensein spezifischer Risikofaktoren einzugehen. Da zur Änderung des Verhaltens immer wieder motivierende Unterstützung nötig ist, können und sollten diese Aspekte auch in kurzen, vielleicht zu anderen Anlässen geführten Gesprächen gezielt eingegangen werden. Gohlke et al. betonen die besondere Bedeutung des Lebensstils. So konnte gezeigt werden, dass das Vorliegen von vier Risikofaktoren (Rauchen, Hypertonie, Adipositas und Gesamtcholesterin/HDL-Cholesterin Verhältnis >5) die Lebenserwartung eines 50-jährigen Mannes um ca. 10 Jahre reduziert (Gohlke et al. 2012a). Oftmals werden spezifische Parameter z. B. medikamentös behandelt, ohne die Lebensführung im Einzelnen näher zu betrachten. Auch wenn aktuell keine randomisierten Studien zur Wirksamkeit präventiver Maßnahmen vorliegen, so zeigen die vorhandenen Studien doch, dass ausreichend körperliche Aktivität, ausgewogene, gesunde Ernährung und Nichtrauchen wesentliche Erfolgsfaktoren zur Reduktion des Risikos darstellen (ebd.). Die Bedeutung regelmäßiger körperliche Aktivität hat bereits dazu geführt, dass viele regionale Sportvereine inzwischen


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