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cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION CNE.fortbildung • 1 I 2016 15 spezielle Trainingskurse für Herzpatienten anbieten (→ Abb. 1). Rauchen Selbst nach langjährigem Rauchen hat der Verzicht auf diese Gewohnheit einen positiven Effekt. Es konnte gezeigt werden, dass bei Rauchverzicht mit dem 50. Lebensjahr sechs weitere Lebensjahre gewonnen werden. Wer mit 60 zu rauchen aufhört, gewinnt noch drei Jahre. In Bezug auf das Myokardinfarktrisiko zeigte sich eine um mehr als 80 % reduzierte Ereignisrate (ebd.). Patienten sollten daher unabhängig ihrer Rauchgewohnheiten immer wieder aufgefordert werden, dieses zu überdenken und bestenfalls einzustellen, da die Effekte unabhängig vom Zeitpunkt für die Vermeidung wiederholter Infarktgeschehen bedeutsam sind. Die Projektgruppe Prävention der DGK zur risikoadjustierten Vorbeugung von Herz- und Kreislauf-Erkrankungen schreibt in ihrer Empfehlung, dass jedem Raucher ein zertifizierter Rauchentwöhnungskurs cne.thieme.de mit verbindlicher Terminabsprache angeboten werden sollte. Auf jeden Fall entsprechende Adressdaten vermitteln (ebd.). Körperliche Aktivität Körperliche Aktivität stellt die zweitwichtigste Komponente zur Umstellung auf einen Myokardinfarkt protektiven Lebensstil dar. Zunächst spielt das Ausmaß körperlicher Bewegung eine untergeordnete Rolle, der Effekt steigt aber mit zunehmender Aktivität. Geschlechtsspezifisch zeigt sich bei Frauen ein größerer Effekt als bei Männern. Für eine optimale Prävention sollte der Umfang körperlicher Bewegung 6–7 Stunden pro Woche mit mittlerer Anstrengung betragen. Das entspricht etwa einem Verbrauch von 2500 kcal pro Woche. Es gilt also, gemeinsam mit dem Patienten eine Strategie zu entwickeln, ausreichend körperliche Aktivität in den Alltag einzubauen. Das kann zunächst nur den Verzicht auf Lift und Rolltreppen bedeuten, bis hin zu regelmäßigem Sport. Der Blick sollte jedoch nicht nur auf die Zeit der Aktivität, sondern auch auf inaktive Phasen gerichtet werden. Diese sollten ebenfalls entsprechend reduziert werden (Gohlke et al. 2012b: 252). ,nIo (PSIehlXnJen IU · N|USeUliche ANtiYitlt Erwachsene sollten täglich über 15 min, besser über 30 min auf mittlerer Belastungsstufe aktiv sein. Ein Nutzen ist bereits beim hbergang von vollständiger Inaktivität zu geringer k|rperlicher Bewegung zu beobachten: Geringe Aktivität ist besser als keine Bewegung · Kinder und Jugendliche sollten mehr als 1 h/Tag, besser noch mehr als 2 h/Tag mit Spielsportarten oder Ausdauersport verbringen. · Der Ausdauersport sollte etwa 80 % des körperlichen Trainings betragen. · Personen, die erstmalig oder nach jahrelanger Aktivitätspause an Wettkampfsport teilnehmen (wie z. B. Volksläufe oder Halbmarathon), sollten zur Vermeidung von Komplikationen und zur Vorbeugung des plötzlichen Herztodes eine klinische Untersuchung und ein Ruhe EKG erhalten. · Bei Patienten mit metabolischen und kardiovaskulären Erkrankungen müssen sich Trainingsintensität und -dauer an den Leitlinien orientieren. Die Intensität des Trainings sollte unter Herzfrequenz- Monitoring überprüft werden. Patienten mit Typ-2-Diabetes, KHK und stabiler chronischer Herzinsuffizienz profitieren von einer strukturierten Trainingstherapie (Gohlke et al. 2012b: 253). Ernährung In Hinblick auf Ernährung hat sich die sogenannte mediterrane Kost als positiv erwiesen. Sie besteht aus reichlich Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst und Getreideprodukten. Fleisch ebenso wie Milchprodukte dürfen in Maßen gegessen werden. Bei der Verwendung von Fetten sollten mehrfach ungesättigte Fette, wie z. B. Olivenöl, bevorzugt verwendet werden. Gohlke et al. empfehlen die mediterrane Kost, weil sie nicht nur die kardiovaskuläre Todesrate, sondern auch die krebsbedingte und die Gesamttodesrate senkt. · Eine kaloriengerechte Ernährung (Ziel: BMI von 22–25) wird angestrebt. Sie sollte reichlich Obst, Gemüse, komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe und einen nicht zu hohen Proteinanteil haben. · Die Kost sollte ein- und mehrfach ungesättigte Fette und Omega-3-Fettsäuren gegenüber gesättigten Fettsäuren bevorzugen. · Transfette (gehärtete Öle und Fette, z. B. in frittierten Speisen, Margarine) sollten vermieden werden. · Dementsprechend spielen Vollkornprodukte, Seefische, pflanzliche Öle und Nüsse eine wichtige Rolle. · Bei Patienten nach Herzinfarkt verhindert eine Ernährungsumstellung in Richtung auf eine mediterrane Kost kardiovaskuläre Ereignisse über das hinaus, was durch eine medikamentöse Sekundärprävention erreicht werden kann. · Es sollte nicht mehr als 5 g Kochsalz/ Tag aufgenommen werden (Gohlke et al. 2012b: 258). 8PJanJ Pit 6oUJen bnJsten Ein akuter Myokardinfarkt stellt ein tiefgreifendes, lebensbedrohliches Ereignis für jeden Patienten dar. Über das Erleben und den Umgang mit dieser einschneidenden Erfahrung ist noch relativ wenig bekannt. Eine Studie von Mentrup et al. hat einige wichtige Aspekte zum Erleben von Herzinfarktpatienten erforscht (siehe hierzu ausführlich den vorigen Beitrag in dieser Lerneinheit). Das Schmerzgeschehen ist der prägende Moment. Er überlagert sämtliche anderen Gedanken, und das primäre Bedürfnis gilt der Schmerzlinderung. Einen weiteren wesentlichen Aspekt stellt die Kommunikation mit Ärzten und Pflegekräften während der Behandlung dar. Zu wissen, was gerade geschieht und unternommen wird, ist für die Patienten sehr wichtig. Neben dem Gefühl der Todesangst gilt die Sorge noch dem Verlust des Arbeitsplatzes und somit Zukunftsängsten. Interessant ist ein Aspekt, der in einigen Studien sichtbar wurde. So verfallen einige Patienten nach erfolgreicher Notfallbehandlung in einen Zustand der


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