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cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION 16 CNE.fortbildung • 1 I 2016 cne.thieme.de Ungläubigkeit, was die Diagnose Herzinfarkt betrifft. Bedeutsam wird dies vor allem für Beratungsanlässe, denn die in einer frühen Phase vielfach geäußerten Wünsche, sein Leben zu ändern, wird dadurch wieder infrage gestellt. Sie hat also direkte Auswirkung auf die Bewältigungsstrategie der Betroffenen (Mentrup et al. 2010: 561ff). Was lässt sich aus diesen Erkenntnissen ableiten? Das Bedürfnis nach Informationen stellt in dieser Situation eine wesentliche Copingstrategie der Betroffenen dar. Auch bereits das mehrfache Wiederholen bereits gegebener Informationen kann aufgrund der Stresssituation notwendig sein. So zeigt auch das Modell von Lazarus, dass je nach Interpretation und Erleben der ersten Phase unterschiedliche Strategien von Patienten gewählt werden (vgl. Franke 2012: 117ff). In Bezug auf Beratung und die langfristige Änderung des Lebensstils unterstützt die Erkenntnis der möglichen Negierung der Diagnose die Bedeutung des hier beschriebenen Weges oder macht zumindest das teils widersprüchliche Verhalten von Patienten verständlich. 3oststationlUe %etUeXXnJ Im Anschluss an die stationäre Versorgung im Krankenhaus erfolgt die kardiologische Rehabilitation. Es gibt zwei Möglichkeiten der Anschlussheilbehandlung: stationär oder ambulant. In den letzten Jahren konnte sich die ambulante kardiologische Rehabilitation mit ihrem Vorteil der Wohnortnähe mehr durchsetzen. Gerade auch im Hinblick auf die Notwendigkeit zur Änderung des Lebensstils kann die Einbindung des sozialen Umfeldes bei ambulanter Rehabilitation besser koordiniert und gestaltet werden. Effekte kardiologischer Rehabilitationsmaßnahmen sind die Senkung der kardialen Mortalität und eine Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen (vgl. Fischer et al. 2012; Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation 2005). Ziel der medizinischen Rehabilitation ist, die drohenden oder bereits bestehenden Beeinträchtigungen, die Betroffene an der Teilhabe am Arbeitsleben und dem Leben in der Gesellschaft behindern, abzuwenden, zu beseitigen oder aber so einzudämmen, dass Folgen gemildert werden. Integrale Bestandteile von Rehabilitationsangeboten sind die Bereiche körperliches Training, Rauchentwöhnung, Umstellung des Essverhaltens sowie Verbesserung psychosozialer Aspekte. Zur generellen Wirksamkeit kardiologischer Rehabilitation und möglicher Ableitung evidenzbasierter Empfehlungen wurde im Jahr 2005 am Institut für Sozialmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein eine systematische Übersichtsarbeit mit integrierten Metaanalysen zur Wirksamkeit des in Deutschland praktizierten Behandlungsansatzes erstellt. Es zeigten sich gute Effekte verglichen mit internationalen Studien für den Zeitraum der ersten sechs Monate. Langfristig konnten diese aber nicht bestätigt werden, was die Vermutung einer unzureichenden Nachhaltigkeit kardiologischer Rehabilitationsangebote vermuten lässt. Grundsätzlich ist jedoch die Erkenntnislage auf diesem Gebiet noch zu dürftig, um endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen (vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation 2005). █ Infoservice Autor Michael Gügel, Mitarbeiter der Pflegedirektion am Deutschen Herzzentrum, München Literatur Bamberger GG. Lösungsorientierte Beratung. Praxishandbuch. 3., vollst. überarb. Aufl., >Nachdr.@. Weinheim, Basel: Beltz PVU; 2007 Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (2005): Rahmenempfehlung kardiologische Rehabilitation, zuletzt geprüft am 25.9.2015 Deutscher Wissenschaftsrat (2012): Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen. Online verfügbar unter http://www.wissenschaftsrat. de/download/archiv/2411–12.pdf, zuletzt geprüft am 31.10.2015 Engel F, Sickendieck U. Beratung – ein eigenständiges Handlungsfeld mit neuen Herausforderungen. Pflege Gesellschaft 2005; 10 (4): 163–171, zuletzt geprüft am 31.10.2015 Fischer HM, Charrier A, Dörr R, Spitzer SG. Ambulante Rehabilitation nach Herzinfarkt und bei Herzinsuffizienz. Herz 2012; 37 (1): 30–37 Franke A. Modelle von Gesundheit und Krankheit. 3., überarb. Aufl. Bern: Huber; 2012 Gohlke H, Albus C, Bönner G, Darius H, Eckert S, Gohlke-Bärwolf C et al. Empfehlungen der Projektgruppe Prävention der DGK zur risikoadjustierten Prävention von Herz- und Kreislauferkrankungen. Der Kardiologe 2012a; 6 (1): 63–76 Gohlke H, Albus C, Bönner G, Darius H, Eckert S, Gohlke-Bärwolf C et al. Empfehlungen der Projektgruppe Prävention der DGK zur risikoadjustierten Prävention von Herz- und Kreislauferkrankungen. Der Kardiologe 2012b; 6 (3): 249–262 Heidrich J, Wellmann J, Hense HW, Siebert E, Liese AD, Löwel H, Keil U. Klassische Risikofaktoren für Herzinfarkt und Gesamtsterblichkeit in der Bevölkerung. Zeitschrift für Kardiologie 2003; 92 (6): 445–454 Mentrup S, Schöninger U, Hotze E, Flesch M. Das Erleben von Patienten mit akutem Herzinfarkt während der Notfallbehandlung. Pfl. Wiss 2010; (10): 558–565, zuletzt geprüft am 29.10.2015 Perings S, Smetak N, Block M, Erdmann E, Haan F, Heusch G et al. (2010): Konsensuspapier der Task Force „Brustschmerz-Ambulanz“ der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung. Kardiologe 2010; 4 (3), S. 208–213 Schaeffer D (Hg.) Lehrbuch Patientenberatung. 1. Aufl. Bern: Huber; 2006 De Shazer S, Dolan Y. Mehr als ein Wunder. Lösungsfokussierte Kurzzeittherapie heute. 1. Aufl. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme-Verl. (Systemische Therapie); 2008 V|ller H. Risikoadjustierte Prävention nach Herzinfarkt. Zeitschrift für Kardiologie 2004; 93 (1): i10–i12


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