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cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION 2 CNE.fortbildung • 1 I 2016 cne.thieme.de – Bewegung wahrnehmen – Kinästhetik- Konzept Kinästhetik ist ein Handlungskonzept bzw. Lernmodell: Durch die Rückmeldung über den Bewegungssinn kann ein Unterschied in der Bewegung wahrgenommen werden, wodurch Anwender und Betro̥ene ihre Bewegungs kompetenz ständig weiterentwickeln können. Von: Monika Lenker Foto: Alexander Fischer Der Begriff Kinästhetik wird aus dem Griechischen (kineħn bewegen und atsthēsis 6inneswahrnehmung abgeleitet und bedeutet Bewegungswahrnehmung (Wahrig 1. 'er englische Begriff ist kinaesthetics. %eZeJXnJsZahUnehPXnJ Kinästhetik ist die Fähigkeit, Raum-, Kraft- und Spannungsverhältnisse der eigenen Bewegung wahrzunehmen, um diese dann unbewusst und zum Teil bewusst zu kontrollieren und zu steuern. Dies geschieht durch die Erregungsleitung von Propriorezeptoren der Muskelspindeln und der Gelenke/Gelenkkapseln über die Hinterstränge zu den sensorischen Hirnrindenfeldern, wo die Umschaltung stattfindet (Akademischer 5at +eidelberg. 3roSriorezeption ist somit die Verarbeitung afferenter Informationen (Gelenkstellung, Bewegung, .raft, 6Sannung ber das zentrale Nervensystem (→ Abb. 1 =usätzlich werden afferente Informationen aus dem Gleichgewichtsorgan und Auge aufgenommen. Im Kleinhirn erfolgt der Abgleich zwischen Ist/Soll der Bewegung. Folglich kann die kinästhetische Wahrnehmung ebenso als propriozeptive Wahrnehmung oder Tiefensensibilität bezeichnet werden (4uante, +ille 1. Teilbereiche der propriozeptiven Wahrnehmung Die propriozeptive Wahrnehmung lässt sich in verschiedene Teilbereiche unter- ·g liedern: Bewegungssinn: Bewegung kann auch ohne visuelle Reize mit entsprechender Richtung erfolgen. · Stellungssinn: Mit geschlossenen Augen kann die Stellung oder Lage der Körperteile wahrgenommen werden. · Kraftsinn: Ausmaß der Muskelkraft kann abgeschätzt werden, um bestimmte Bewegungsaktivitäten durchzuführen. · Spannungssinn: Grad der Muskelspannung, die unwillkürlich und willkürlich beeinflusst werden kann Durch dieses sogenannte propriozeptive oder kinästhetische Sinnessystem ist es uns möglich, Bewegungen zu erlernen und zu trainieren. So hat zum Beispiel Nikolai Alexandrowitsch Bernstein (1²1 im -ahr 1957 für die Bewegungslehre des Sports ein Modell der Bewegungskoordination entwickelt. Er trifft unter anderem die Aussage, dass der „innere Regelkreis (über die kinästhetische 6ensibilität und der „äußere“ Regelkreis (vorwiegend über die oStische Informationsaufnahme fr die Feinregulierung der Bewegungen unterschiedlich eingestellt und geeignet sind und dass für den Lernprozess der Bewegungssteuerung hauptsächlich der „innere Regelkreis“, also über die kinästhetische Sensibilität, Bedeutung hat (Hotz 2001; Meinel, 6chnabel 00. (ntstehXnJsJeschichte Entwickelt wurde das Konzept Kinästhetik in der Pflege durch Frank Hatch und Lenny Maietta ab den 1980er Jahren. Zuvor beschäftigte sich Frank Hatch mit der Ethnologie des Tanzes. Lenny Maietta (klinische


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