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cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION 6 CNE.fortbildung • 1 I 2016 Quelle: ©Kinaesthetik-Institut cne.thieme.de 0ethoden Das Kinästhetik-Konzept wird nicht nur als Handlungskonzept, sondern ebenso als Lernmodell verstanden, welches auf der Grundlage der Kybernetik aufgebaut ist. Systemtheorie 6\steme (z. B. 2rganisationen/Menschen werden als Handlungseinheiten begriffen, die aus miteinander in Beziehung stehenden Elementen (Abteilungen/Organe, Knochen, Muskeln, 6inne bestehen. 'ie *renz ziehung und Definition dieser Systeme ist eine Leistung (Individualität, Lernfähigkeit, AnSassungsfähigkeit, welche die 'ifferenz von System und Umwelt (außerhalb der Organisation/ Umgebung darstellt. Systeme benötigen ebenso Ressourcen (Rahmenbedingung, Interaktionsfähigkeit, um zu lernen von e[ternen 6\stemen bzw. Organisationen. Durch die Öffnung (Interaktion der *renzen kann hier ein gegenseitiger Austausch erfolgen (6chre\|gg 00. *runau beschreibt die Systemtheorie mit der Aufgabe, Umwelteinwirkungen zu verarbeiten und zu kompensieren. Er rückt das Verhalten der Organisation zur Umwelt in den Vordergrund und stellt die Austauschbeziehung mit einem 5egelkreis dar (*runau 00. Kybernetik .\bernetik (griech. .\bernetes 6teu ermann ist die /ehre von den 6\stemen, deren einzelne Teile miteinander in einer :echselwirkung stehen (6chr|der 001. Der Zusammenhang der Systemtheorie zur Kybernetik lässt sich durch folgende Definition herstellen: Kybernetik wird unter anderem als Theorie der dynamischen selbstregulierenden Systeme und kalkülisierende konstruierende Theorie der Nachrichtenverarbeitung und der nachrichtenverarbeitenden Systeme verstanden. Durch die Rückkoppelung wird die Wirkung wieder zur Ursache (/ehnert 00. Norbert Wiener bezeichnet diese Rückkoppelung auch als Feedback-Control-Theorie. /eUnen Yon .inlsthetiN iP 6\stePPodell /aut 6iegfried =iegler (=iegler 00 defi niert Gregory Bateson „Lernen“ als physikalische und informationelle Veränderung eines Systems. Die Information definiert Bateson als „Nachrichten von Unterschieden“ bzw. als „Unterschied, der einen Unterschied macht“. Der Empfänger reagiert nach einem Reiz mit einer Reaktion. Der Reiz entspricht einem Unterschied oder der Veränderung. Eine Information, die keinen Unterschied macht, ist nicht wahrnehmbar und darum bedeutungslos. Somit baut das Lernen auf ein Lernen nach Unterschieden auf, was sich das Konzept Kinästhetik zunutze macht. Der Mensch hat einen Plan (1 in → Abb. 3 und führt eine Bewegungsaktivität (2 in → Abb. 3 aus. Er erhält eine 5ckmeldung ber den kinästhetischen Sinn (3 in → Abb. 3, die als Muskelspannung wahrnehmbar ist. Es erfolgt ein Abgleich über das Ziel der Aktivität und das Ergebnis bzw. die Auswirkung. Das Lernen erfolgt nun in Form von Anpassung mit einer Verhaltensveränderung. Das Lernen erfolgt im Vergleich. Um diesen Vergleich deutlich zu machen, werden die Schulungen in den Grundkursen in ·v erschiedenen Schritten gestaltet. Es wird eine Referenzaktivität, z. B. Höherbewegen im Bett, durchgeführt, und die Erfahrungen werden dabei dokumentiert. · Anhand der eigenen Körpererfahrung werden die jeweiligen Konzeptinhalte der Kinästhetik vermittelt. Die eigene Bewegung wird mithilfe des Kinästhetik Analyserasters analysiert. So können die Teilnehmer die eigene Bewegung reflektieren, die Auswirkung einschätzen, um eine Änderung der eigenen Bewegung herbeizuführen. · Teilnehmer erlernen im Rahmen der Partnerarbeit die Bewegungsanleitung. · Es wird eine Bewegungsaktivität durchgeführt, um das neue Bewegungsverständnis in die persönliche Bewegung zu integrieren. · Die Referenzaktivität wird noch einmal gemacht. Im Vergleich wird ersichtlich, welcher Kompetenzzuwachs erlangt wurde. )a]it Kinästhetik ist ein Lernmodell mit den Bildungsfeldern Konzeptverständnis, Abb. 3 Feedback-Control-Theorie Grundwissen, eigene Bewegung, Handling, Lernumgebung bzw. Lernsituationen und 2rganisation (/ernen in der *ruSSe. Die Teilnehmer lernen durch den Vergleich der eigenen Bewegungen bzw. der Auswirkung der Bewegungsanleitungen zu erfahren, zu analysieren und zu dokumentieren, um somit eine Verhaltensveränderung herbeiführen zu können. Sich auf das Konzept Kinästhetik einzulassen, bedeutet ein stetiges Lernen und Weiterentwickeln von Bewegungskompetenz. Einen Nutzen haben somit die Betroffenen und die Pflegenden. Nachgewiesen konnte dies durch die Pflegestudie „Weniger Schmerzen beim Bewegen Schwerstkranker“. Hier wurde herausgearbeitet, dass die Patienten, die nach kinästhetischen Prinzipien unterstützt wurden, weniger Schmerzen, eine bessere Sauerstoffsättigung und die Pflegekräfte weniger Ziehen im Rücken hatten (/enker 00. █ Infoservice Autorin Monika Lenker, BBA, Fachpfl egekraft Intensivpfl ege/Anästhesie, Pain Nurse, Kinästhetiktrainerin Literatur Das Literaturverzeichnis fi nden Sie auf CNE.online: cne.thieme.de Mehr in CNE.online Das Buch „Kinästhetik – kommunikatives Bewegungslernen“ von Ina Citron schildet mit vielen weiteren Abbildungen Abläufe kinästhetischer Mobilisation.


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