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PFLEGEINTERVENTION Wahrnehmung Bewegung Kommunikation Abb. 3 :irkprinzipien der Basalen Stimulation Quelle: Strauch D. nach Bienstein, Fröhlich 1985 CNE.fortbildung • 1 I 2016 9 Durch die Spastik wurde das Kind daran gehindert, den eigenen Körper anzufassen und zu erfühlen, was für gesunde Menschen selbstverständlich ist. Das Kind bemerkt durch die Intervention zum ersten Mal bewusst einen Teil seines Körper-Ichs. Damit das Körper-Ich geschult und in Erinnerung bleibt, wird diese Wahrnehmungsförderung wiederholt und weitere förderliche Maßnahmen werden aufgebaut. Das Kennenlernen oder auch das Wiedererkennen cne.thieme.de des eigenen Körpers wird dann notwendig, wenn schwere Störungen jedweder Art vorliegen. Der Mensch zieht sich in sein Inneres zurück und ist kaum mehr erreichbar für seine Umwelt. Er nimmt nur noch wenig oder auch gar nicht mehr am Leben teil. Hierzu ein Zitat von Bienstein und Fröhlich: „Die Basale Stimulation orientiert sich an den Entwicklungsstufen, die der Mensch in seinem Werdungsprozess durchläuft und auf die jeder Mensch auch dann noch zurückgreift, wenn schwere Störungen vorliegen“ (Bienstein, Fröhlich 00. 0eUNe Basale Stimulation bedeutet also, dass auf schon gemachte Erfahrungen zurückgegriffen wird, sie wieder vordergründig wachgerufen werden, um ein erneutes Kennenlernen des eigenen K|rpers einzuleiten. Basale Stimulation versucht an die alten Erfahrungswerte des Menschen, welche im Gehirn neuronal vernetzt sind, anzuknüpfen. Seine Entsprechung findet das Konzept in den neurowissenschaftlichen Grundlagen von Lothar Pickenhain. Er hält fest, dass der Mensch bei seiner Geburt etwa 100 Milliarden Nervenzellen hat. Schon während der Fetalzeit beginnen sich zwischen diesen Nervenzellen zahlreiche Verschaltungen auszubilden. Durch die wiederholte Nutzung dieser Verbindungen werden ihre Verschaltungen gefördert und stabilisiert. Das ist s. E. die Grundlage, um – wie Bienstein und Fröhlich es ausdrücken – Urerfahrungen machen zu können, diese zu speichern und bei Bedarf abzurufen. Nach der Geburt werden fortlaufend Umwelterfahrungen gewonnen, gespeichert und im Verlauf des Lebens weiterentwickelt (3ickenhain 000. Ein neuronales Netzwerk ist umso leistungsfähiger, je stärker jedes einzelne Neuron verästelt ist. Denn je mehr Verknüpfungen zu anderen Neuronen entstehen, desto eher kann bei Krankheit oder Verletzung ein anderer Bereich die verloren gegangene Funktion wieder übernehmen. Um für den Patienten größtmöglichen Nutzen zu erzielen, ist es notwendig, frühzeitig konsequent Wahrnehmungsübungen durchzuführen. Ich-Bild und Körpergefühl Durch die wiederholte Nutzung der neuronalen Verbindungen ist der Mensch in der Lage, sich selbst wahrzunehmen und durch seine Erfahrungen in einen ständigen Austausch mit seiner Umwelt zu treten. Dadurch entwickelt sich das Selbstbewusstsein. Das Körperbewusstsein entsteht dadurch, dass der Mensch über eine lange Zeit hindurch ein genaues Bild seines Körpers wahrgenommen und verinnerlicht hat. Er weiß, was er wie tun muss, um bestimmte Dinge zu erreichen. An dieser Stelle differenzieren Nydahl und Bartoszek das Körperbewusstsein in Körperschema, Körperbild und Körperge- ·fü hl: Das Körperschema bedeutet, dass wir uns aufgrund des aufrechten Ganges als Menschen identifizieren. · Das Körperbild zeigt die persönliche Form des Körperschemas auf: Meine Füße und Beine haben eine bestimmte Länge; ich habe eine ganz eigene Art zu gehen. Ein Körperbild verändert sich in der Regel nur langsam. Menschen mit Amputationen oder hemiplegische Patienten brauchen häufig Wochen bis Monate, um ihr Körperbild der Realität anzupassen. · Das Körpergefühl zeigt das aktuelle Körperbild: Meine Beine fühlen sich heute schwer an. Das Körpergefühl ist in der Lage, sich in Minutenschnelle an Situationen anzupassen. Allerdings kann es ebenso, z. B. wenn ich stundenlang in derselben Position verharre, ganz oder teilweise verloren gehen (Nydal, Bartoszek 000. „Der Mensch bedarf der permanenten sensorischen Stimulation, um seinen psychophysischen Organismus stabil zu halten“ (Bienstein, )r|hlich 1. Bienstein und Fröhlich erläutern damit, dass Menschen über ihr größtes Sozialorgan, der Haut, mittels Berührung und Bewegung miteinander kommunizieren (→ Abb. 3. In der Berhrung von 3flegen dem zu Patient und ggf. umgekehrt wird die Notwendigkeit der Körpererfahrung ebenso deutlich wie auch in der Form, sich selbst zu berühren und somit immer „bei sich“ zu sein. Das Kernelement ist die durch Berührung zustande gekommene Bewegung, die eine Information transportiert und für den Patienten bedeutsam wird. Jede Berührung enthält und entsendet Signale und l|st *efhle aus (N\dal, Bartoszek 000. Berührungsqualität So können Berührungen z. B. entspannen und beruhigen, sie können Eindeutigkeit, Nähe und Wärme vermitteln, helfen und unterstützen. Sie können jedoch auch verwirren, verspannen, Ängste auslösen, hastig und uneindeutig sein. Berührungen können, ähnlich der verbalen Kommunikation, auch Missverständnisse auslösen. Wir sprechen hier von der nonverbalen Kommunikation. Entscheidend ist dabei weniger das WAS, eher das WIE. Die Berührungsqualität zeichnet sich durch Eindeutigkeit des Signals aus. Sie wird mit geschlossenen Fingern und der Auflage der gesamten Hand auf dem Körper des Patienten durchgeführt (→ ,nIo 1. „Berührungen werden besonders dann in-


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