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cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION Foto: :erner Krüper Abb. 1 Aktivierende PÁege nach den individuellen Ressourcen des Patienten CNE.fortbildung • 1 I 2016 13 te MuskelsSannung (schlaffe /ähmung bzw. unkontrolliert erhöhte Muskelspannung (+\Sertonus, 6Sastik, die 6t|rungen der Wahrnehmung von Stellung und Bewegung des .|rSers (3roSriozeStion, Störungen im Gesicht des Patienten sowie Kau- und Schluckprobleme. Die Kernprobleme bei der Arbeit nach ·d em Bobath-Konzept sind: Mangel an 6tabilität (oft im 5umSf als Voraussetzung für Bewegung · mangelnde Tonusanpassung in den betroffenen Körperabschnitten mit der Folge von Hypo- und Hypertonus · Fehlstellung bzw. die fehlende Selbstorganisation cne.thieme.de der Stellung bestimmter Köperbereiche – der Schlüsselpunkte · Störungen des Körperschemas Oft bestehen zusätzlich noch Störungen der Hirnleistungen (neuropsychologische 6t|rungen und 6t|rungen im Mund und Gesichtsbereich mit Auswirkung auf Schlucken und Sprechen. =iele – Die Ziele des Bobath-Konzeptes ergeben sich aus den genannten Problemen. Sie können in der pflegerischen Arbeit in Zusammenarbeit mit dem Patienten und den anderen Berufsgruppen erarbeitet werden: · Wiedererlernen der automatischen, unwillkürlichen Kontrolle eines an die Aufgabe angepassten Muskeltonus · Erleichterung und Wiedererlernen normaler, automatischer, selektiver Bewegung. Der Patient kann zwischen verschiedenen Alternativen variieren. Er kann Teile seines Körpers der Aufgabe angepasst bewegen, ohne in Massensynergien (z. B. unkontrollierte Anspannung aller Beugemuskeln einer E[tremität zu kommen. · Vermeidung kompensatorischer Bewegungsstrategien mit großer Anstrengung und unkontrollierten Muskeltonus erhöhungen (assoziierte 5eaktionen · Wiedererfahren des eigenen Körpers, der eigenen Bewegung und der Umwelt · Anbahnung normaler Gesichts-, Mund-, Zungen- und Schlundmotorik · Selbstständigkeit in den ATL auf möglichst normalem Niveau Das Bobath-Konzept strebt dazu einen gemeinsamen Lernprozess von Patienten und Pflegenden an, um mit ihm die automatische Kontrolle über die Muskeltonus und selektive Bewegungsfunktionen wieder zu erarbeiten. Unmittelbare Arbeitsbereiche in der Pflege sind die Sicherstellung bzw. Erarbeitung von Stabilität, die Organisation der Schlüssselpunkte vor dem Bewegungsstart, die Unterstützung der Muskeltonusanpassung und die Unterstützung von Körpererfahrung. Der Befund als Einschätzung der individuellen Potenziale und Probleme des Patienten wird fortlaufend während der Pflege erhoben. Dabei wird nicht nur die Beobachtung sondern auch insbesondere das Spüren von Muskelspannung, Bewegungsmöglichkeiten und Bewegungseinschränkungen eingesetzt. Das Ziel aller Lernangebote an den Patienten ist es, dem Nervensystem die propriozeptive Rückmeldung normaler Bewegungen erfahrbar zu machen. Der Betroffene soll mit unserer Hilfe mit den eigenen Bewegungsmöglichkeiten experimentieren können, um so bekannte Bewegungserfahrung (proprioze Stive ÅBewegungsgefhle´ normaler Bewegungen „wiederzufinden“ oder neue Erfahrungen normaler Bewegung zu machen. Er soll möglichst wenig krankheitsveränderte Bewegung oder kompensatorische Bewegung erfahren, damit sich das Nervensystem nicht darauf einstellt. 9on %eJinn an – Die therapeutische Pflege von Menschen mit erworbenen Hirnschäden beginnt unmittelbar mit dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen. Der sofortige Beginn der richtigen pflegerischen Maßnahmen kann helfen, die besten Fortschritte für den Betroffenen zu erreichen. Es muss deshalb darauf geachtet werden, dass der Betroffene nicht von Anfang an kompensatorische und damit falsche Strategien zur Bewältigung seiner ATL entwickelt, indem er seine nicht gelähmte Seite intensiver nutzt. Durch vermehrte Anstrengung der weniger betroffenen Seite entsteht auf der gelähmten Seite oft eine Tonuserhöhung, die zur Spastik führen kann. Zugleich erarbeitet sich der Betroffene schon frühzeitig unphysiologische Bewegungsabläufe, die der späteren Normalisierung seiner Bewegung dann entgegenstehen. Die gelähmte Seite wird daher von Anfang an in die Therapie einbezogen und ihre Aktivierung erleichtert. Nur wenn sich nach längerer Arbeit keine weitere Entwicklung der Fähigkeiten des Betroffenen zeigt, müssen dem Kranken auch kompensatorische Strategien (z. B. Einhänder+ilfsmittel vermittelt werden. AllJePeine +inZeise Wer nach dem Bobath-Konzept pflegen möchte, muss lernen, zuerst die Potenziale des Patienten zu suchen und nicht primär die Defizite im Auge zu haben und pflegerisch umgehen zu wollen. Die Pflege nach dem Bobath-Konzept sollte stets nach Möglichkeiten der Aktivierung des Patienten suchen (→ Abb. 1. Entgegen der üblichen Praxis der „Information des Patienten“ wird bei der Arbeit nach dem Bobath-Konzept relativ wenig gesprochen. Der Betroffene wird vor einer Aktivität kurz informiert. Während der Aktivität bzw. Bewegung wird jedoch möglichst nicht gesprochen. Der Patient soll sich ohne Ablenkung durch Sprache auf die Bewegung und das Bewegungsgefühl konzentrieren können. Die Pflege sollte von Anfang an auch die Angehörigen einbeziehen. Denn sie müssen sich mit der neuen Situation zurechtfinden und die Vielfalt der Symptome und deren Behandlungsmöglichkeiten verstehen lernen. 0|JlichNeiten Xnd *Uen]en Besonders mehrfache oder diffuse Hirnschädigungen, z. B. durch einen Sauerstoffmangel nach Reanimation, sind für den


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