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cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION CNE.fortbildung • 1 I 2016 15 · Ist unsere Fazilitation korrekt? Kann der Patient die Bewegung mit seiner Hilfe erfolgreich durchführen? · Ist die Bewegungsstrategie normal (wie es ein *esunder machen wrde, oder kompensiert der Patient seine Behinderung mit weniger behinderten Körperbereichen? · Sind ungünstige bzw. unnormale Muskeltonusveränderungen cne.thieme.de dabei sichtbar oder spürbar? · Was fehlt ihm für eine bessere Bewegung? · Was macht er zu viel? Nach diesen Kriterien muss beurteilt werden, ob die Fazilitation für den Patienten angepasst war und ob sie für den Lernprozess seines ZNS sinnvoll ist oder ob die Pflegeperson anders vorgehen muss. /eUnanJebot 6elbsthilIe Handlungen und Bewegungen im Rahmen der Körperpflege, des An- und Ausziehens und der Nahrungsaufnahme usw. sind dem Betroffenen aus der Zeit vor der Hirnschädigung vertraut. Er hatte dafür bereits Strategien und Bewegungsprogramme. Die Pflege kann so auf konkrete Bewegungserfahrung zurückgreifen. Die Motivation und Orientierung des Patienten ist durch die vertraute, konkrete und lebenspraktisch bedeutsame Situation meistens besser als in abstrakten und fern der Lebenspraxis gestalteten therapeutischen Übungen. Für den hirngeschädigten Menschen stellen gerade diese lebenspraktischen Situationen deshalb ideale Lernangebote dar. Für das therapieunterstützende aktivierende Pflegen geht es z. B. bei der Körperpflege nicht primär um die Säuberung des Körpers und das Wohlbefinden des Patienten. Es geht auch nicht um „Tricks“, wie man gelähmte Menschen einfacher waschen kann. Das Ziel ist vielmehr wieder die Vermittlung möglichst normaler Körper und Bewegungserfahrung verbunden mit normalen Aktivitäten. 0eUNe Da die Gestaltung der Selbsthilfesituation sich immer nach den individuellen M|glichkeiten des Patienten richtet, k|nnen hier keine konkreten Handlungsvorgaben gemacht werden. Viele hirngeschädigte Menschen leiden außer an motorischen Einschränkungen zusätzlich an zunächst weniger offensichtlichen Störungen. Außer der Hirnleistung „Haltung und Bewegung“ sind auch andere Hirnleistungen wie z. B. Handlungsplanung, Wahrnehmung des eigenen Körpers (.|rSerschema, :ahrnehmung und rich tige Einschätzung der eigenen Situation, Raumwahrnehmung und korrektes räumliches Handeln oft mit gestört. Durch die individuelle und aktivierende Gestaltung der Pflegeumgebung, die Strukturierung der Pflegesituation, die gezielte Nutzung des Potenzials des Patienten und die pflegerisch begleitete Aktivität des Patienten während der Selbsthilfe ist auch in diesem Bereich eine Unterstützung der Fachtherapeuten (Neuropsychologen, ggf. Ergothera Seuten m|glich. Besonders im 5ah men der Körperpflege und des Anziehens ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten der therapeutischen Stimulation der Kör- Sereigenwahrnehmung (3roSriozeStion. Hier finden sich interessante Überschneidungen zwischen dem Bobath-Konzept und der Basalen Stimulation, die einen ergänzenden Einsatz beider Konzepte bei manchen Patienten nahelegen. /eUnanJebot /aJeUXnJ In der Pflege sind die „Bobath-Lagerungen“ der mit Abstand bekannteste Aspekt des Bobath Konzeptes. Es muss aber klar sein, dass es sich um passive Maßnahmen handelt, die weniger zur Aktivierung des Patienten beitragen als Bewegen und Selbsthilfe. Selbst durch konsequentes Lagern in den klassischen Bobath /agerungen (als alleinige Maßnahme wird ein Patient keine Fortschritte im Hinblick auf normalere Bewegung machen. Es ist für den Lernprozess des Patienten viel entscheidender, auf welchem Weg er sich mithilfe der Pflege aktiv in eine Lagerung hineinbewegt, wie er ohne Unterstützung eine Position in der Lagerung variieren kann und ggf. sogar die Lagerung wieder verlassen kann. Alle Lagerungen sind individuell. Deshalb können hier keine konkreten Handlungsanweisungen gegeben werden. Die bekannten „Bobath-Lagerungen“ sind zu einem Zeitpunkt entwickelt worden, als Pflege und Therapie noch in größerem Umfang mit sehr spastischen Patienten konfrontiert waren. Sie wurden als spastikhemmende Stellungen abgeleitet und sollten zugleich Kontrakturen vorbeugen. Aus der neurophysiologischen Forschung weiß man, dass Spastizität nicht durch den Fortfall kortikaler Hemmung und dem Hervortreten sonst gehemmter Reflexe in einem hierarchisch organisierten Nervensystem zu sehen ist. Eher stellt sie das Ergebnis eines ungünstig verlaufenen Lernprozesses auf der Basis der Neuro Slastizität dar (*rninger 1. 'ie Be troffenen sind heute durch frühere Mobilisation und bessere Pflege und Behandlung oft nicht mehr so spastisch, sondern eher hypoton, sodass Tonushemmung häufig sogar kontraproduktiv ist. Bei der Lagerung von Menschen mit erworbenen Hirnschäden muss zwischen einer entspannenden Ruhelagerung und einer therapeutischen Lagerung unterschieden werden. Ruhelagerung Die Ruhelagerung dient der Entspannung des Patienten in Ruhephasen. Die Ausbildung einer Spastik soll möglichst verhindert oder vermindert werden, indem der gesamte Körper ausreichend stabil unterstützt und so zu einer weitgehenden Muskelentspannung gebracht wird. Die Körperteile sollen in den Gelenken möglichst so stehen, dass sowohl Beuge- wie auch Streckmuskeln minimal gedehnt sind. Durch alters- oder krankheitsbedingte Verkürzung anatomischer Strukturen ist diese Minimalspannungsstellung aber meist nur zu erspüren, indem durch Bewegung im Gelenk muskuläre Widerstände erspürt werden und der Punkt des gleichartigsten Widerstandes von Beugern und Streckern zur Lagerung gewählt wird. Wohlbefinden und Bequemlichkeit müssen bei der Lagerung erzielt werden, damit der Kranke sich wirklich entspannen kann. Der Betroffene muss die Sicherheit der Lagerung subjektiv spüren können. Die Vermeidung von Schmerzen gilt besonders in Bezug auf die Schulter und Hand der mehr betroffenen Seite, die dekubitusgefährdeten Körperstellen und ungewohnte Muskeldehnungen. Schmerzfreiheit muss erzielt werden, damit der Kranke die Lagerung wirklich als entspannend empfindet und keine sekundären Schäden auftreten.


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