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cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION Abb. 1 Hautantiseptik vor jeder Injektion bzw. Punktion CNE.fortbildung • 1 I 2016 3 selbe Maßnahme bei einem frisch verunfallten Patienten am Unfallort. Vorbereitende Arbeiten vor einer Injektion oder Punktion Bei allen Maßnahmen, welche im Gesundheitswesen cne.thieme.de am Patienten durchgeführt werden, müssen die sogenannten Standardmaßnahmen zur Infektionsprävention eingehalten werden. Diese beinhalten in erster Linie die Händehygiene, aber auch die richtige Hautdesinfektion beim Patienten vor der Durchführung. Darüber hinaus wird auch empfohlen, das Personal von Institutionen der Gesundheitsversorgung zu den Themen der Infektionsprävention von Fachpersonen regelmäßig zu schulen. Erprobt hat sich auch, die Abläufe von invasiven Maßnahmen durch entsprechend ausgebildete Fachexperten beobachten und analysieren zu lassen. Für die Vorbereitung von Injektionen und Punktionen muss die Arbeitsfläche desinfiziert werden. Wenn es bei einer Punktion möglich sein könnte, dass steriles Material abgelegt werden muss, ist eine sterile Fläche vorzubereiten. Wie bei allen Verabreichungen von Medikamenten sind vor Punktionen und Injektionen die zu verabreichenden Medikamente optisch auf Veränderungen wie Ausflockungen oder Verfärbungen zu prüfen. Es gilt immer der Grundsatz, dass nur einwandfreie und unbeschädigte Medikamente verwendet werden dürfen. Für jeden Patienten sind neue Spritzen und Kanülen zu verwenden. Diese sind mit der sogenannten Peel-off-Technik auszupacken. Merke Spritzen und Kanülen dürfen nicht durch die Verpackung gedrückt werden. Immer wieder stellt sich die Frage, ob der Gummistopfen einer Entnahmeampulle vor dem ersten Anstechen desinfiziert werden muss. Die Sterilität des Gummistopfens ist nur dann gewährleistet, wenn dieser nach der Produktion sterilisiert wurde und während Verpackung, Transport und Lagerung eine Rekontamination ausgeschlossen ist. Merke Vor Injektionen und Punktionen muss der Gummistopfen einer Entnahmeampulle mit einem alkoholischen Desinfektionsmittel desinfiziert werden. Hierfür wird ein keimarmer Tupfer mit dem alkoholischen Desinfektionsmittel befeuchtet und hiermit der Gummistopfen abgewischt. Der Gummistopfen kann angestochen werden, wenn das alkoholische Desinfektionsmittel abgetrocknet ist. Auf diese Maßnahme vor dem ersten Anstechen der Entnahmeampulle kann nur verzichtet werden, wenn vom Hersteller dies ausdrücklich so angegeben ist. Durchführung von Injektionen und Punktionen Vor einer Injektion oder Punktion, bei welcher die Haut eröffnet wird, ist der Bereich, in welchem die Injektion durchgeführt werden soll, sorgfältig zu prüfen. Die Punktionsstelle muss frei von entzündlichen Veränderungen und gut zugänglich sein. Die Kleidung des Patienten ist entweder auszuziehen oder so zu sichern, dass diese bei einer Bewegung nicht in das Punktionsgebiet gelangen kann. Die Haut ist als Schutzbarriere natürlicherweise dicht mit Bakterien und Pilzen besiedelt. Diese Besiedelung wird als natürliche Hautflora bezeichnet. Mit einer Injektion bzw. Punktion besteht die Gefahr, dass diese Mikroorganismen in die Haut eindringen und in den Körper des Patienten gelangen können. Aus diesem Grund ist das Areal, in welchem die Injektion oder Punktion geplant ist, vorher zu desinfizieren. Bei langjährig chronisch kranken Patienten, welche sich selbstständig mit s. c.-Injektionen Medikamente spritzen, wird immer wieder beobachtet, dass diese die Injektion ohne vorgängige Desinfektion oder sogar durch die Kleidung durchführen. Wenn diese Patienten dies eigenverantwortlich tun, entspricht dieser Ablauf nicht der heutigen Lehrmeinung. Es ist aber in der Verantwortung des Patienten. Werden die Maßnahmen von Mitarbeitenden einer Institution der Gesundheitsversorgung durchgeführt, liegt die Verantwortung bei den Mitarbeitern. Diese müssen alles tun, was nach dem Stand der Wissenschaft zu tun ist, um eine Infektion zu verhindern. Daher ist bei einer Injektion und Punktion durch medizinisches Personal vorher immer die Haut zu desinfizieren. Empfohlen wird hierfür in der Regel ein alkoholisches Hautantiseptikum, welches durch Wischen mit einem keimarmen oder sterilen Tupfer oder Aufsprühen auf das zu punktierende Hautareal appliziert wird. Nach Aufbringen des Hautantiseptikums darf das Hautareal nichtmehr palpiert werden, und die Einwirkzeit ist entsprechend den Herstellerangaben einzuhalten (→ Abb. 1). Weitere Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Schutzhandschuhen, Schutzkleidung oder eines Mund-Nasen-Schutzes sind abhängig von der Risikogruppe der verschiedenen Punktionsarten. Das Robert Koch Institut unterscheidet in den Richtlinien für Krankenhaushygiene vier verschiedene Risikogruppen, aus welchen sich die Schutzmaßnahmen je nach Institution ·d er Gesundheitsversorgung ableiten: Risikogruppe 1: – einfacher Punktionsablauf und – geringes Risiko einer punktionsassoziierten Infektion · Risikogruppe 2: – einfacher Punktionsablauf und – geringe Infektionsgefahr, aber in der Literatur dokumentierte schwerwiegende Infektionsfolgen beim (seltenen) Eintritt einer Infektion und – keine Notwendigkeit der zwischenzeitlichen Ablage von sterilem Punktionszubehör Foto: Alexander Fischer


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