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cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION 16 CNE.fortbildung • 1 I 2016 cne.thieme.de Die Ruheposition ist eine Dauerlagerung, die aufrechterhalten wird, solange der Patient sich wohlfühlt und keine anderen Gründe dagegensprechen. Die Ruhelagerung ist die Verminderung der Muskelspannung i · m gesamten Körper: den Körper der Schwerkraft folgend auf die Unterstützungsfläche herabsinken lassen (den Patienten spüren lassen, wo er ist, spüren lassen, wo er hingehen soll, ihn zur Unterstützungsfläche bewegen helfen · wenn erforderlich, die Unterstützungsfläche an den Körper heranbringen · Körperteile in eine Einstellung zueinander bringen, in der die Muskeldehnung von Agonisten und Antagonisten so gering wie möglich ist Für Patienten mit Störungen der Körperwahrnehmung, die oft durch große Unruhe und einen hohen Muskeltonus oder extreme Tonusunterschiede auffallen, ist die Lagerung eine gute Möglichkeit, die Wahrnehmung des eigenen Körpers zu verbessern. Diese Patienten werden eher fest gelagert. Über den höheren Auflagedruck und die zusätzliche Einbettung festen Lagerungsmateriales und damit mehr Kontaktfläche auch an den nicht aufliegenden Körperteilen soll der Betroffene eindeutigere Spürinformation über den eigenen Körper erhalten. Selbstverständlich muss in jedem Einzelfall eine individuelle Abwägung zwischen der Dekubitusgefahr und dem pflegerischen Nutzen härterer Lagerung erfolgen. Selbst in einer Ruhelagerung hat der Patient dann ein anderes Tonusmuster, das ihm ein Experimentieren mit anderen Bewegungen ermöglicht und damit neue Bewegungserfahrung gewinnen hilft. Durch die bewusste Gestaltung des Weges in die neue Lagerung erfährt der Patient immer wieder normale Bewegung, und sein ZNS erhält Lernangebote. 7heUaSeXtische /aJeUXnJ – Die therapeutische Lagerung wird eher am Tag und in der Regel gemeinsam mit Therapeuten eingesetzt. Sie wird oft nur für ca. 10 Minuten angewandt. Anschließend folgt eine Aktivität oder eine Ruhelagerung. Die therapeutische Lagerung soll: · pathologische Tonusveränderungen beeinflussen · Kontrakturen vorbeugen oder behandeln · Körperwahrnehmung fördern AOOJHmHinH +inZHisH ]Xr Lagerung · Die Lagerung muss dem Kranken individuell angepasst sein, auch wenn dadurch Kompromisse eingegangen werden müssen. Sie muss seinen Möglichkeiten und Bedürfnissen entsprechen. Zusätzlich müssen oftmals vorhandene individuelle Probleme, wie z. B. Krümmungen der Wirbelsäule, Atemnot bei Herzinsuffizienz oder bestehende Gelenkveränderungen, berücksichtigt werden. Auch bei den Seitenlagerungen ergeben sich Abweichungen, da das Abwinkeln der Beine oftmals nur teilweise möglich ist. · Alle Lagerungen werden zum Abschluss nochmals auf individuelle Besonderheiten und Bequemlichkeit überprüft. Klingel und persönliche Gegenstände werden in Reichweite und im Aufmerksamkeitsbereich des Patienten (Neglects\ndrom bereitgelegt. · Ein Lagerungswechsel erfolgt immer abhängig vom individuellen Befinden und den jeweiligen Erfordernissen der Prophylaxen. · Das Kopfteil des Bettes soll bei Rücken- und Seitenlagen möglichst ganz flach gestellt bleiben. Durch Hochstellen des Kopfendes wird in der Rückenlage die Atmung behindert, wenn der Patient im Bereich der Lendenwirbelsäule gestaucht und nicht im Hüftgelenk gebeugt wird. Zugleich wird die Gefahr einer Hüftbeugekontraktur erhöht. In der Seitenlage wird durch Hochstellen des Kopfendes das Atemzugvolumen ebenfalls durch Stauchung des Rumpfes vermindert. Zugleich verändern sich die Auflagedrücke nachteilig. · Bei Hirndruck oder bei Refluxgefahr kann die gesamte Bettebene zum Fußende hin abwärts gestellt werden. · Besonders weiche Matratzen sind für die Bobath-Lagerung weniger gut geeignet, da der Patient zum einen geringere Spürinformationen zur Eigenwahrnehmung des Körpers erhält und durch ein unsicheres Lagegefühl (schwankende, undefinierte /age häufiger mehr unkontrollierten Muskeltonus aufbaut (6Sastikgefahr. Bei der Superweichlagerung sinkt er zusätzlich tief in die Matratze ein, was das normale Bewegen erschwert, Experimentieren mit Bewegungen verhindert und damit neue Bewegungserfahrungen behindert (Neander 1. · Am Bett des Schlaganfallpatienten darf keine Aufrichthilfe angebracht werden. Die Spastizität wird durch die große Anstrengung beim Hochziehen oder Aufsetzen auf der betroffenen Seite enorm erhöht. Zugleich erlernt der Patient oft ungünstige kompensatorische Bewegungsstrategien. Anstrengende Bewegungen, wie z. B. zum Kopfende rutschen, aufsetzen oder das Gesäß anheben, sollten immer mithilfe der Pflegenden in normalen Bewegungen erfolgen. %eUXIsbeUJUeiIende =XsaPPenaUbeit Da aufgrund der Neuroplastizität das Gehirn immer lernt, müssen alle Angebote bewusst gestaltet werden, um fehlerhafte Lernprozesse zu vermeiden. Jede geplante oder ungeplante, absichtliche oder unabsichtliche, überlegte oder unüberlegte Tätigkeit am Patienten ist ein Lernangebot. Das heißt, der Lernprozess nach dem Bobath-Konzept findet nicht nur während der Therapiesitzungen statt, sondern ist ständiger Bestandteil des gesamten Tagesablaufes. Dazu ist es erforderlich, dass sich jeder an den Prinzipien des Bobath-Konzeptes orientiert. Der Patient selbst, das therapeutische Team und die Angehörigen orientieren sich im Idealfall rund um die Uhr an einem auf einem individuellen Befund basierenden berufsübergreifenden Therapieschema. █ Infoservice Autor Lothar Urbas, Krankenpfleger, Lehrer für Pflegeberufe, Pflegeinstruktor Bobath (BIKA) für Grund- und Aufbaukurse Literatur Die Literaturangaben finden Sie auf CNE. online: cne.thieme.de


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