Page 53

cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

KOMMUNIKATION CNE.fortbildung • 1 I 2016 3 qualität insgesamt. Gleichzeitig steigt der Kontrollaufwand für die Führungskräfte, und damit wird das vermeintlich „billige Mitarbeiterteam“ insgesamt durch Desorganisation, schlechtes Marketing nach außen und geringe Arbeitsmotivation sehr teuer. Ziel: motivierte Mitarbeiter Eine individuelle motivierende Karriere- und Lebensphasenplanung ist wesentlich für die Mitarbeitermotivation: Kollegen mit kleinen Kindern haben andere Bedürfnisse als beispielsweise diejenigen ohne Kinder. Um Personal in der Klinik zu halten, ist es sinnvoll, deren Fachkarriere zu begleiten. Regelmäßige Standortgespräche sind wichtig, damit die Motivation für neue Aufgaben – abhängig von der jeweiligen Lebensphase – besprochen werden kann. Bei neuen Kollegen sollten die Standortgespräche zweimal im Jahr stattfinden. Hier kann man dann Stressoren und Ressourcen des Mitarbeiters besprechen und so auch motivieren, sich weiterzuentwickeln. Bei erfahrenen Pflegekräften, die schon zwei bis drei Jahre in der Klinik arbeiten, sollten diese einmal im Jahr durchgeführt werden. Ein motiviert arbeitendes Team belastet zunächst den internen Etat der Organisation. Der Ertrag durch selbstständiges Arbeiten, hohe Leistungen und effiziente Arbeitsabläufe gleicht diese Kosten jedoch schnell wieder aus. Identifizieren sich die Mitarbeiter mit der Organisation, trägt dies oft unmittelbar zu einer positiven Außendarstellung cne.thieme.de bei. Der „gute Ruf“ der Klinik wird auch durch das Personal geprägt. Herrscht ein gutes Betriebsklima, ist es meist leichter, neue Kollegen zu gewinnen. Ein effizient und gut ausgebildeter Mit- ·a rbeiter arbeitet erfolgs- und qualitätsabhängig, · wird regelmäßig geschult und · hat eine intensive Anbindung zum Team. Motivation und selbstständiges Arbeiten wird als Servicequalität von Patienten und Ärzten sehr geschätzt. Fachlich qualifiziertes Personal ist zufriedener und motiviert, wenn seine Arbeit anerkannt wird und wenig Kontrollaufwand nötig ist. Das vermeintlich teure Mitarbeiterteam benötigt daher auch eine gute Organisation der Arbeitsprozesse und ein effektives Informationssystem. Stärken und Schwächen kennen Damit die Kollegen mit ihrem Können sinnvoll eingesetzt werden, muss die Führungskraft die Stärken und Schwächen ihrer Mitarbeiter kennen. Doch dies kann sie nur dann erfahren, wenn sie ihnen entsprechend ihren Kompetenzen Aufgaben, Befugnisse bzw. Verantwortung überträgt. Nur so kann ein Mitarbeiter lernen, mit den neuen Aufgaben zu wachsen und sich weiterentwickeln (Margerison u. McCann o. J.). Dieser sog. mitarbeiterorientierte Führungsstil ist für die Motivation des Teams außerordentlich wichtig. Es hat sich gezeigt, dass „Mitarbeiter ein gewähltes Verhalten, d. h. Handlungen, die wir daher auch als motiviertes Verhalten bezeichnen“ (Rudolph 2009) immer dann gerne ausführen, wenn sie im Vorfeld beteiligt wurden. Mitwirken motiviert! Info Was ist motiviertes Verhalten? Merkmale motivierten Verhaltens definiert Rudolph folgendermaßen: „Menschliche Motivation betrifft demzufolge willentlich gewähltes Verhalten, d. h. Handlungen, die wir daher auch als motiviertes Verhalten bezeichnen. Der Begriff der Handlung beinhaltet Verhaltensweisen, für die wir uns entscheiden und die wir absichtlich ausführen. Hiervon zu unterscheiden ist unwillkürliches Verhalten, so etwa automatisch und biologisch kontrollierte Prozesse, wie z. B. der Saugreflex des Säuglings oder die physiologischen Grundlagen von Bedürfnissen, wie Hunger oder Durst“ (Rudolph 2009: 5). Erfolgsgeheimnis Teambildung Damit die Stärken jedes Einzelnen konstruktiv eingesetzt werden können, sollte die Zusammensetzung von Pflegeteams oder bei der Auswahl von Personen für Qualitätszirkel, Projekt- oder Arbeitsgruppen sehr sorgfältig vorgenommen werden. Werden Führungskräfte befragt, wodurch sich erfolgreiche Teams auszeichnen, werden folgende Antworten genannt: · Erfolgreiche Teams erbringen auch unter schwierigen Bedingungen ausgezeichnete Leistungen. · Die Teammitglieder sind motiviert und nutzen ihre Fähigkeiten. · Die Mitarbeiter fühlen sich für ihre Arbeit verantwortlich. · Im Team wird über anstehende Probleme sehr offen miteinander geredet. Fehler werden als Herausforderung und Chance zur Verbesserung gesehen. Miteinander und nicht übereinander reden – Ein erfolgreiches Pflegeteam spricht über Probleme, die im Miteinander entstehen, und stempelt kein Mitglied des Teams zum Sündenbock ab. Um ein gutes Pflegeteam zu werden, müssen alle lernen, in einer Art und Weise miteinander zu sprechen, die den Kollegen nicht kränkt, sondern Hilfe und Verständnis für die Situation des anderen signalisiert. Wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht. Doch wer möchte schon gerne mit seinen eigenen Fehlern konfrontiert werden, wenn gleichzeitig vermittelt wird: „Wie konnte das nur passieren …! Das ist wieder ganz typisch für Schwester Regina!“? Mit anderen Worten: „Mir würde so etwas nie passieren.“ Team aufbauen Die Zusammensetzung von Teams ist eine wichtige Führungsaufgabe, die auch nicht delegierbar ist. Es gibt eine große Auswahl von Möglichkeiten, wie Führungskräfte sich ihr Team aufbauen können, z. B.: · Teamdesign (Margerison u. McCann o. J.) · 1×1 der Persönlichkeit (Seiwert 2006) · DISG-Modell (Gay 2007) Der Ansatz des Teamdesign bietet Möglichkeiten für die Praxis, um ein Team schnell und effektiv zu formen. Die Idee dahinter ist, dass jeder Mitarbeiter eine bestimmte Rolle im Team innehat, die wiederum mit bestimmten Arbeitsfunktionen verbunden ist (→ Tab. 1). Die Mitarbeiter werden aufgrund ihrer Befähigung sorgfältig ausgewählt. Ein nach diesen Kriterien zusammengestelltes Team oder eine Projektgruppe wird effektiver miteinander arbeiten,


cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline
To see the actual publication please follow the link above