Page 6

cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION 4 CNE.fortbildung • 1 I 2016 cne.thieme.de · Risikogruppe 3: – Punktion von Organen bzw. Hohlräumen oder – komplexer Punktionsablauf mit Notwendigkeit der zwischenzeitlichen Ablage von sterilem Punktionszubehör, mit oder ohne Assistenzperson · Risikogruppe 4: – komplexe Punktion mit Notwendigkeit der zwischenzeitlichen Ablage von sterilem Punktionszubehör und steriler Anreichung durch eine Assistenzperson und/oder – Einbringen von Kathetern bzw. Fremdmaterial in Körperhöhlen oder tiefe Gewebsräume (z. B. Ventrikelkatheter, Periduralkatheter) Es wird empfohlen, die Regelungen zur Hautantiseptik und den Schutzmaßnahmen in einrichtungsspezifischen Hygienerichtlinien festzuschreiben. Diese können sich an die Empfehlungen des Robert Koch Institutes anlehnen (→ Tab. 1). Entsorgung Auch wenn heute immer mehr stichsichere Kanülen zum Einsatz kommen, besteht dennoch die Gefahr einer Verletzung oder einer Kontamination durch anhaftende Körperflüssigkeiten. Daher ist eine stichsichere Entsorgungsbox zwingend mit dem Material für die Injektion oder Punktion vorzubereiten, und die verwendeten Sharps sind umgehend und direkt darin zu entsorgen. Versorgung der Einstichstelle nach Injektionen und Punktionen Kleinere Einstichstellen der Risikogruppe 1 und 2 werden in der Regel mit einem Pflaster oder mit einem keimarmen Kugeltupfer zur Kompression der Einstichstelle versorgt. Bei tiefergehenden Punktionen der Risikogruppen 3 und 4, bei welchen Körperhöhlen punktiert werden, muss die Punktionsstelle mit einem sterilen Pflaster oder einem sterilen Verband abgedeckt werden. Versorgung der Einstichstelle nach Einlage eines Katheters Wird während einer Punktion ein Katheter eingelegt, z. B. eine Venenverweilkanüle oder Anästhesiekatheter für die Teilnarkose, ist die Einstichstelle zwingend mit einem sterilen Pflaster abzukleben. Untersuchungen haben gezeigt, dass es für die Infektionsprävention keinen Unterschied zwischen sterilen Pflastern oder transparenten Folienverbänden gibt. Daher können beide Verbandsarten zum Einsatz kommen, wobei sich ein saugendes steriles Pflaster bei einer blutenden Einstichstelle besser eignet als ein Folienverband. Die Verbände sollen täglich visuell geprüft und bei Bedarf gewechselt werden. Die Einstichstelle und das umliegende Haut areal muss täglich auf Infektionszeichen (Rötung, Schwellung, Schmerz) untersucht werden. Bei Infektionszeichen ist der eingelegte Katheter möglichst schnell zu ziehen. Der Einsatz von antibakteriellen Produkten wird nicht empfohlen, da der Nutzen dieser Produkte nicht gesichert ist, diese aber zu einer Resistenzentwicklung führen können. Verwendung von Insulinpens Langjährige und erfahrene Diabetiker gehen mit den Insulinpens häufig sehr sorglos um. Man beobachtet immer wieder, dass Injektionen durch die Kleidung gemacht werden oder auf die Hautdesinfektion verzichtet wird. Auch stellt man immer wieder fest, dass die Injektionsnadel an den Insulinpens von diesen Patienten mehrfach benutzt wird. Das Konsensuspapier zur Mehrfachverwendung von Injektionsnadeln bei Insulinpens und Insulin-Einmalspritzen Hautantiseptik vor der subkutanen Insulininjektion beschreibt eindrücklich, dass sich die Kanülen schon ab der ersten Injektion verbiegen und stumpf werden. Dieselben Veränderungen kann man bei mehrfach verwendeten Lanzetten zur Blutzuckerbestimmung beobachten. Daher gilt für die Verabreichung von Insulin mittels Pen durch Mitarbeiter von Institutionen der Gesundheitsversorgung, dass vor jeder Gabe eine neue Pennadel benutzt wird. Wird die Blutzuckerentnahme oder die Insulininjektion von medizinischem Personal durchgeführt, muss wie bei jeder anderen Injektion die Haut vorher desinfiziert werden. █ Tab. 1 Hygienische Maßnahmen in Abhängigkeit vom Risiko Risikogruppe Tupfer für Hautantiseptik Abdeckung Schutzmaßnahmen Risikogruppe 1: keimarme Tupfer keine Abdeckung ggf. keimarme Handschuhe Risikogruppe 2: sterile Tupfer in der Regel keine Abdeckung, ggf. steriles Lochtuch keimarme oder sterile Handschuhe Risikogruppe 3: sterile Tupfer steriles Lochtuch sterile Handschuhe, ggf. Mund-Nasen-Schutz Risikogruppe 4: sterile Tupfer steriles Lochtuch sterile Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz, ggf. steriler Kittel Infoservice Autor Rolf Prions, Leiter Qualitätsmanagement Qualitätsmanager im Sozial- und Gesundheitswesen, Berater für Infektionsprävention und Spitalhygiene, Krankenpflege, Rheinfelden, Schweiz Literatur Die Literaturangaben finden Sie auf CNE.online: cne.thieme.de


cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline
To see the actual publication please follow the link above