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cnefortbildung_2016_01_Ausgabeonline

PFLEGEINTERVENTION 6 CNE.fortbildung • 1 I 2016 cne.thieme.de gibt beim Einstich. Der Patient bzw. ein Erziehungsberechtigter/ Betreuer muss sein mündliches Einverständnis geben. Die möglichen Injektionsgebiete werden inspiziert und eine geeignete Injektionsstelle wird ausgewählt. Danach wird der Patient unterstützt, sich in eine der Injektion angemessene Lage zu bringen. Er sollte so entspannt wie möglich sein, umso weniger schmerzhaft ist der Einstich. Das Injektionsgebiet wird mit einem alkoholischen Hautdesinfektionsmittel desinfiziert und die Einwirkzeit von mindestens 30 Sekunden beachtet (siehe Herstellerangaben). In der Zwischenzeit wird eine hygienische Händedesinfektion durchgeführt und Einmalhandschuhe werden angelegt. Danach kann die Injektion erfolgen. Kontraindikationen für i. m.-Injektionen Neben allgemeinen Kontraindikationen ·w ie: Entzündungen, Ödeme und Wunden · Hauterkrankungen und gestörte Hautdurchblutung · OP-Areal bei geplanter Operation · Schockzustände sind folgende Kontraindikationen zu beachten: Patienten mit gesteigerter Blutungsneigung – Bei jeder Injektion werden kleinste Blutgefäße verletzt. Ist die Gerinnung herabgesetzt, besteht nach der i. m.-Injektion die Gefahr der Einblutung in den Muskel (Hämatombildung). Gefährdete Patientengruppen sind: Patienten unter Antikoagulationstherapie, Patienten vor, unter und nach Lysetherapie, aber auch Patienten mit angeborenen Blutgerinnungskrankheiten wie Hämophilie. Patienten mit Verdacht auf ein Infarktgeschehen – Bei jeder i. m.-Injektion wird durch den Einstich und die injizierte Flüssigkeit Muskelgewebe zerstört. Dabei werden Enzyme freigesetzt, welche in der Herzinfarktdiagnostik ermittelt werden, um einen Gewebeuntergang zu diagnostizieren, z. B. das Gesamt-CK (Creatin-Kinase) und das CK-MB (CK-Myokardtyp). I. m.-Injektionen erhöhen die Werte dieser Enzyme und führen zu einem verfälschten Ergebnis. Mögliche Injektionsorte Für die i. m.-Injektion stehen vor allem folgende Muskelpartien zur Verfügung: Der Musculus glutaeus medius (mittlerer Gesäßmuskel), der darunterliegende glutaeus minimus (kleiner Gesäßmuskel) der Hüfte und der Musculus vastus lateralis des Oberschenkels. Eine Injektion in den Musculus deltoideus (Deltamuskel) des Oberarms wird häufig bei Impfungen durchgeführt. Diese Impfungen erfolgen durch den Arzt. Pflegende führen keine i. m.-Injektionen in den Oberarm durch. Bei dieser Methode kann es zur Lähmung des Nervus radialis kommen; sie gehört zur zweithäufigsten Nervenlähmungskomplikation. Zum Auffinden der richtigen Injektionsstelle gibt es verschiedene Methoden. Nur wenn diese korrekt angewendet werden, ist sichergestellt, dass es während der Injektion nicht zu Komplikationen wie Nervenschädigung und Fehlinjektion in ein Gefäß kommt. Injektionsbereich i. m.-Injektion nach von Hochstetter – Bei der Injektionsmethode nach von Hochstetter werden die wichtigen Nerven N. ischiadicus (Ischiasnerv) und der N. glutaeus superior nicht gefährdet. Die 3 Markierungspunkte des von-Hochstetter-Dreiecks sind die Spina iliaca anterior superior (Knochenvorsprung am vorderen Ende der Darmbeinschaufel), die Crista iliaca (Darmbeinkamm) und der Trochanter major (großer Rollhügel). Injektionsbereich i. m.-Injektion Oberschenkel – Die Injektion erfolgt in den Musculus vastus lateralis. Die knöchernen Orientierungspunkte sind der Trochanter major und die Patella (Kniescheibe). Der Injektionsbereich liegt im äußeren mittleren Drittel des M. vastus lateralis. Durchführung Für die i. m.-Injektion sollte eine lange G20-Kanüle (gelb) verwendet werden, um eine versehentliche Injektion in das Fettgewebe zu vermeiden. Dies könnte zu einer Entzündung bis hin zu einer Gewebsnekrose führen. Bei sehr kachektischen Patienten, Säuglingen und Kindern kann eine normale G20- oder G21-Kanüle (grün) verwendet werden. Ventroglutäale Injektion nach von Hochstetter Die ventroglutäale Injektion nach von Hochstetter ist für Erwachsene und Jugendliche die sicherste Methode, um Nervenschädigungen und fehldurchgeführte Injektionen in ein Gefäß zu vermeiden. Das Injektionsgebiet, das durch diese Methode aufgefunden wird, weist wenige Nerven und Blutgefäße auf (→ Abb. 1). Lagerung – Zu Beginn wird der Patient gebeten, sich in Seitenlage zu legen und seine Knie leicht anzuwinkeln. Ist die durchführende Pflegeperson Rechtshänderin, sollte sich der Patient auf die linke Seite legen, bei einer Linkshänderin auf die rechte. Sollte der Patient nicht in der Lage sein, sich auf die Seite zu legen, kann die Injektion auch in Rückenlage erfolgen. Injektionsort bestimmen – Im nächsten Schritt sucht die Pflegeperson die 3 Markierungspunkte, in deren Mitte der Injektionsort liegt. Durchführung für einen Rechtshänder: Die „Schwurfinger“ (Zeige- und Mittelfinger) der linken Hand werden auf die beiden Markierungspunkte am Darmbeinkamm gelegt. Dabei werden die Finger maximal gespreizt. Der Mittelfinger tastet mit der Kuppe die Spina iliaca anterior superior (vorderer Darmbeinstachel), der Zeigefinger wird abgespreizt und tastet entlang der Crista iliaca (Darmbeinkamm) (→ Abb. 1a). Von dort aus wird der Zeigefinger nun ca. 2 cm nach unten weggedreht, während der Mittelfinger auf der Spina iliaca anterior superior liegen bleibt (→ Abb. 1b). Durch diese Drehung kommt der Handballen auf dem Trochanter major zum Liegen. Die Injektionsstelle befindet sich im unteren Teil des durch die Schwurfinger beschriebenen Dreiecks. Diese Stelle wird markiert, z. B. indem man die Schutzkappe der Kanüle leicht in die Haut eindrückt. Hautdesinfektion – Im nächsten Schritt wird eine Hautdesinfektion des Injektionsgebiets mit einem alkoholischen Hautdesinfektionsmittel nach Herstel


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